Herr Remund, was kann das Bundesamt für Sport (Baspo) tun, um Wettbetrug vorzubeugen?
Matthias Remund: Das Baspo erarbeitet Lösungsvorschläge, die allfällige Gesetzeslücken schliessen können. Wie Prozess und Urteil in Bellinzona gezeigt haben, gibt es diese Lücken. Die Spielmanipulation, die Verfälschung des Wettkampfes gegen Geld muss weltweit möglichst unterbunden werden. Diese Machenschaften treffen den Sport ins Herz, er ist seinem Kern bedroht.

Wir sind im Rahmen des Europarates mit anderen Staaten daran, eine Konvention zu erarbeiten, die in einem Jahr in Magglingen eine Konvention verabschiedet werden soll. Ziel ist es, dass wir gemeinsame Standards schaffen und diese Delikte über die Landesgrenzen hinaus verfolgen können. Was für Europa gilt, muss später weltweit gelten, sonst kriegen wir das nicht in den Griff. Nur so kommen wir auch an die Hintermänner. Die Schweiz ist national dran, und übernimmt international eine Führungsrolle.

Eine der Ideen des Baspo ist, dass Sportorganisationen die Wettrechte erhalten sollen. Soll dies weltweit so sein?
Weltweit. Wenn der Sport bestimmen kann, was mit seinem Gut passieren darf, kann er auch gefährliche Wetten, die Spielmanipulationen zulassen, unterbinden. Der Sport soll sagen, was man mit seinen Wettkämpfen wirtschaftlich machen kann, nicht irgendwelche Trittbrettfahrer.

Bis Ende Jahr wollen Sie Ihre Vorschläge in den Bundesrat bringen: Was sehen Sie vor?
Es ist heute zu früh zu sagen, welchen Vorschlag wir in welcher Form dem Bundesrat vorschlagen werden. Sicher ist: Manipulation an Spielen soll unter Strafe gestellt werden. Zweitens: Weil es ein weltumspannendes Problem ist, braucht es international abgestimmte Lösungen, Stichwort Rechtshilfe.

Das Bundesamt für Justiz gibt noch diesen Frühling eine Anpassung des Korruptionsstrafrechts in den Bundesrat. Damit soll Privatbestechung zum Offizialdelikt werden. Wie wichtig ist dieser Schritt?
Das ist eine der Massnahmen, die wir in unserem Korruptionsbericht vorgeschlagen haben. Die Massnahme ist wünschbar, weil sie abschreckend ist und die Glaubwürdigkeit des Sportes schützen hilft.

Die Fifa untersteht nicht dem Strafrecht, sondern dem Vereinsrecht. „Mir wäre viel lieber, der Schweizer Staat würde das erzwingen, und ich versuche auch, die Schweiz dahin zu kriegen“, sagte Strafrechts-Experte Mark Pieth in der „Süddeutschen Zeitung“. Wie sehen Sie das?
Im Korruptionsbericht schlagen wir vor, im Sport auch die passive Bestechung unter Strafe zu stellen. Ob sich das in der Anpassung des Korruptionsstrafrechts durchsetzen wird, wird sich zeigen. Das angesprochene Vereinsrecht ist eine ganz andere Geschichte: Die Anpassung im Sinne einer „Lex Fifa“ hätte weitreichende Konsequenzen für das Vereinsland Schweiz und steht im Rahmen der Arbeiten nicht zur Diskussion.

Am Wochenende beginnt die Fussball-Meisterschaft wieder. Der Zürcher Stadtrat prüft, ob Pyros „kontrolliert“ abgebrannt werden dürfen. Was sagen Sie dazu?
Pyros gehören nicht in ein Stadion, auch nicht, wenn sie kontrolliert abgebrannt werden. Sie sind und bleiben gefährlich. Ich wünsche mir gut inszenierten Sport, der alle mitreisst, allen Freude macht. Raketen gehören an die 1.Augustfeier. Wie etwa das Beispiel England zeigt, geht es auch ohne. Und das ohne jeden negativen Einfluss auf die Stimmung.

Was sagen Sie zur Kritik der Fan-Verbände an den geplanten Massnahmen der Kantone?
Auch wenn es eine kleine Minderheit von Fans ist, braucht es Massnahmen, um gegen diese Gewalt vorzugehen. Die Gewalt muss aus den Stadien verschwinden. Das ist bisher nicht gelungen, also muss offenbar drastische Massnahmen ergreifen.

Dass es auch anders geht, zeigte der letzte Spengler Cup: Freiburger und Mannheimer Fans haben nach dem Match zusammen mit ihren Mannschaften ein rauschendes Fest in Davos gefeiert. Da floss viel Alkohol, aber es flogen keine Fäuste. Alle zeigten gegenseitigen Respekt, verbrüderten sich, das ist Sport.

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