Pedro Lenz: Ein Abend im Kleinholz

Es war ein fast normales Eishockeyspiel am vergangenen Freitag in Olten. Normal, weil die Halle vor dem Spiel gut gefüllt war. Normal auch deshalb, weil mit Visp ein Gegner zu Besuch war, der wie Olten seit vielen Jahren Stammkunde in der NLB ist. Gleichzeitig waren die Vorzeichen ein bisschen abnormal. Immerhin hatte Olten den EHC Visp zuletzt dreimal nacheinander geschlagen, obwohl die Walliser in der Qualifikation vor den Power-Mäusen klassiert waren. Alle wussten also, dass Olten mit einem vierten Sieg den Halbfinal erreichen konnte.

Diese Konstellation hätte für Nervosität sorgen können. Davon war aber im Kleinholz wenig zu spüren. Fast hatte man den Eindruck, die Zuschauer und die beiden Teams wüssten schon, wie das Spiel ausgehen wird. Der Gästesektor war kaum besetzt, was nicht unbedingt für den Optimismus der Walliser sprach. Kurz vor dem Anpfiff gab es eine schöne Choreografie der EHCO-Fans. Drei Tannen wurden hochgehalten. Aber weil es ziemlich lange dauerte, bis die dritte Tanne sichtbar wurde, fragten einzelne Visper schon, ob Olten jetzt die Zweitannenstadt sei.
Ja, das sei eine Sparmassnahme der Stadt, erklärte ein Einheimischer. Künftig hätten alle Stadtwappen nur noch zwei Tannen, das senke die Grafikkosten.

Dann erschien die dritte Tanne doch noch. Das Spiel begann und die Oltner liessen keine Zweifel aufkommen, dass sie die Serie schnell beenden werden. Immer waren sie einen Schritt früher am Puck, eine Spur giftiger, eine Prise schärfer als die Rotweissen. Zwar schoss Visp viel mehr aufs Tor. Aber diese Abschlussversuche waren schon bald Verzweiflungsschüsse eines Teams, das seine Chancen schwinden sieht. Zwischendurch wurden auf dem Videowürfel über der Eisfläche die Resultate der anderen Playoff-Partien eingeblendet. Einem Langenthaler entfuhr ein Anfeuerungsruf in Richtung Oberaargau, was ihm einen Schlag auf den bierhaltenden Arm einbrachte und ihn mindestens zwei Deziliter Bierverlust kostete.

Olten führte souverän, sodass irgendwann im Verlauf des Schlussdrittels auch die allerletzten Zweifel am Sieg beseitigt waren. Beim letzten Time-out des Visp-Trainers war das Spiel längst entschieden. «Warum nimmt er noch ein Time-out?», fragte ein Zuschauer. «Weil Visp gleich das Saisonschlussessen hat. Er will nur wissen, welche Spieler Menü 1 und welche Menü 2 bestellen.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper

Artboard 1