Patrick Fischer, das war zweifellos ein besonderer Abend.

Patrick Fischer: Zuallererst möchte ich mich bei den Schweizer Fans bedanken. Ich war vor dem Spiel noch kurz draussen und sah eine wahre rote Welle ins Stadion hineinschwappen. Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: „Geht da raus und gebt alles. Es warten Tausende von Schweizer Fans auf Euch!“ Die Atmosphäre hat diesen Abend sicher speziell gemacht.

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Und dann noch der Sieg gegen Kanada…

Klar, das ist immer etwas Besonderes. Die Kanadier waren gut, haben gut gespielt. Aber diesmal ist – mit Ausnahme der Startphase – der Puck zu unseren Gunsten gelaufen. Wir hatten Glück, aber wir haben uns diesen Sieg erkämpft, weil wir nie aufgegeben haben.

Ein Wort zu Fabrice Herzog, dem Matchwinner?

Ich freue mich sehr für ihn. Er spiele eine sehr gute Vorbereitung und erzielte dabei einige Tore. Hier in Paris war er zu Beginn oft der 13. Stürmer. Aber er hat trotzdem immer hart gearbeitet. Ich habe ihm gesagt: „Dein Moment wird noch kommen.“ Gegen Kanada ist er gekommen. Der Treffer in der Verlängerung war wunderschön – vermutlich das Schönste seiner Karriere. Und das zu einem guten Zeitpunkt.

Lange feiern können Sie diesen Sieg nicht. Am Sonntagabend steht bereits das nächste Spiel gegen Finnland auf dem Programm. Schaut man auf die Tabelle, dann braucht es noch ein wenig, bis man die Viertelfinal-Qualifikation auf sicher hat.

Für uns ändert sich auch nach dem Sieg gegen Kanada nichts. Wir können jedes Team schlagen, auch die Finnen. Die sind gut und abgeklärt, aber derzeit sicher nicht in absoluter Topform. Wir gehen mit derselben Einstellung in dieses Spiel. Wir müssen hinten gut stehen, kämpfen und die Scheibe aufs gegnerische Tor bringen.

Müssen Sie als Trainer die Mannschaft jetzt etwas auf den Boden zurückholen oder möglichst schauen, dass sie zum Höhenflug ansetzt?

Die Mannschaft hat einen guten, ehrlichen Charakter. Wir heben nicht ab, wenn es gut läuft. Wir sind nicht am Boden zerstört, wenn es nicht wie gewünscht läuft. Man muss nur Teams mit schlechtem Charakter runterholen.

Die Highlights des Spiels Kanada-Schweiz.

Noch ein Wort zur Goaliesituation. Jonas Hiller wurde ausgewechselt. Mit Leonardo Genoni kam der Erfolg zurück. Wieso entschieden Sie sich zu diesem frühen Wechsel?

Erst einmal muss ich sagen, dass wir Jonas Hiller vollkommen vertrauen. Deshalb haben wir ihm auch diesen Match gegeben. Er kennt viele der kanadischen Spieler noch aus der NHL. Genoni hatte im letzten Vorbereitungsspiel vor der WM gegen Kanada einen schwierigen Match. Darum stand Hiller im Tor. Dass wir Hiller ausgewechselt haben, war nicht gegen ihn gerichtet. Aber wir wollten der Mannschaft ein Signal geben. Wenn man so früh 0:2 in Rückstand liegt, muss man etwas unternehmen. Es ist diesmal aufgegangen. Leo hat die Türe zugemacht. Kompliment an ihn. Auch unsere Defensive konnte sich steigern. Aber eben: wir haben schon X Spiele erlebt, welche wir hätten gewinnen müssen und welche wir schliesslich verloren oder Punkte abgegeben haben. Gegen Kanada lief es jetzt mal in die andere Richtung.

Hatte Ihre Mannschaft zu Beginn des Spiels nicht fast zu viel Respekt?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben eine frühe Strafe kassiert. Dann haben wir den Kanadiern zu viel Zeit gewährt. Nach dem 2:0 wurde es natürlich schwierig. Sie kamen in ihren Flow. Zum Glück konnten wir uns dann sammeln. Im zweiten Drittel wurden wir etwas besser, aber wir hätten dort auch gut noch das 0:3 kassieren können. Dann wäre es vermutlich schwierig geworden. Im dritten Drittel haben wir dann aufs Tempo gedrückt und es gelang uns, sie ein wenig zu kitzeln. Eishockey ist ein extrem ehrlicher Sport. Wenn man die kleinen Dinge richtig macht, Zweikämpfe gewinnt, dann läuft auch der Puck für Dich.

Von den letzten acht Turnierspielen gegen Kanada gewann die Schweiz deren vier. Wieso inspiriert dieser Gegner unsere Nationalmannschaft immer wieder zu Höchstleistungen?

Die Kanadier sind die besten Eishockeyspieler der Welt. Das spornt einen automatisch an. Ich bin 2006 an den olympischen Spielen in Turin beim 2:0-Sieg gegen Kanada selber noch als Spieler auf dem Eis gestanden. Dieses Spiel hätten wir auch 0:6 verlieren können, wenn Tinu Gerber damals nicht alles gehalten hätte. 2013 in Stockholm (3:2 nach Penaltyschiessen) war ich als Assistenztrainer dabei. Diesen Match hätten wir eigentlich auch verlieren müssen. Auch jetzt in Paris waren wir sicher nicht besser als die Kanadier. Aber irgendwie gelingt es uns immer wieder, sie zu überraschen.

War das ihr grösster Sieg als Headcoach der Nationalmannschaft?

Als Headcoach, ja. Als Assistent war der Höhepunkt sicher 2013 der 3:0-Sieg gegen die USA im Halbfinal von Stockholm. Damals haben wir den Sieg sicher nicht geklaut.

Sie haben Kanada als Spieler besiegt. Jetzt als Headcoach. Kann man das Gefühl vergleichen?

Beides ist extrem emotional und erfüllend. Ich weiss noch, dass ich 2006 mit Paul DiPietro ein Zimmer geteilt habe. Er musste nach unserem Sieg die ganze Nacht tausend SMS aus der Schweiz und aus Kanada beantworten. Das passiert diesmal sicher nicht. Jetzt habe ich ein Einzelzimmer (lacht).