VON ANDREAS FRETZ AUS LONDON

Von einem Exploit sprach Ariella Kaeslin am Freitag, als sie als erste Schweizerin ein WM-Diplom als Mehrkämpferin in Händen hielt. Gestern nun fehlten der Luzernerin fast die Worte. «Ich kann es noch gar nicht glauben, mit Silber habe ich wirklich nicht gerechnet», sagte sie nach dem Sprungfinal.

Stolz präsentierte sie beide Seiten der Medaille der Fernsehkamera und im nächsten Augenblick meldete sich auch schon Bundesrat Ueli Maurer am Telefon. «Es ist doch eine Ehre, Herrn Maurer am Telefon zu haben», sagte Kaeslin artig und lächelte.

Der genaue Wortlaut von Maurers Gratulation ist nicht bekannt, doch er dürfte nur unwesentlich von dem abweichen, was später Mutter Heidi Kaeslin bei der Umarmung ihrer Tochter gesagt hat: «Ariella, du bist die Beste.» Während die Turnerin Glückwünsche in Empfang nahm, ging Cheftrainer Zoltan Jordanov bereits zur Analyse des Wettkampfs über.

«Ariella hat einen Killerinstinkt wie der Fussballstar Lionel Messi», sagte der Ungar, «eine Medaille war unser Ziel.» Kaeslin versteht es wie keine Zweite, auf den Punkt ihr Leistungsvermögen abzurufen. Stabilität ist ihr Markenzeichen: Drei Wettkämpfe hat sie in der O2-Arena bestritten – die Qualifikation und den Mehrkampffinal sowie den Sprungfinal – und nicht ein einziger nennenswerter Fehler durchkreuzte ihre Pläne.

Zwar waren der Olympiafünften und Europameisterin an ihrem Paradegerät Chancen ausgerechnet worden, doch für Silber war auch ein klein wenig Glück notwendig. Die nordkoreanische Favoritin Hong Un Jong stürzte bei beiden Sprüngen.

Zittern musste Kaeslin auch bei ihrem Spezialsprung, dem Tschussowitina. Erst nach der konsultation des Videos sprach ihr das Kampfgericht den vollen Schwierigkeitsgrad zu. In der provisorischen Wertung erhielt die Schweizer Sportlerin des Jahres noch 0,4 Punkte weniger.

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