Alpinchef Rudi Huber und Cheftrainer Walter Hlebayna haben sich die erste echte Nagelprobe als Verantwortliche des Schweizer Skiteams anders vorgestellt. Erst einmal waren Schweizer am Chuenisbärgli noch schlechter – 2006 mit einem 21. Rang von Cuche und Berthod. Huber präsentierte sich im Zielraum symbolisch in Hände-hoch-Gestik dem Fragen-Trommelfeuer der Journalisten und bekannte: «Der zweite Lauf von Janka war okay, von den übrigen kam zu wenig. Das war kein Schritt nach vorne, eher einer zurück, aber mit teilweise erklärbaren Gründen.»

«Es gibt noch viel zu arbeiten, skitechnisch und mental», meinte Huber. Der doppelte Druck des Heimrennens und der Olympia-Selektion lähmte die jungen Schweizer, zumal sie mit ihren hohen Nummern bei den frühlingshaften Verhältnissen zusätzlich handicapiert waren. Huber: «Wenn sich keiner der Jungen qualifiziert, entsteht in der Rangliste ein Loch. Das können wir nicht in drei, vier Monaten korrigieren. So was dauert zwei Jahre. Aber der Optimismus stirbt zuletzt.»

Gino Caviezel (Startnummer 41) verpasste den für die Qualifikation notwendigen 30. Platz um zwei Ränge oder 0,17 Sekunden, Sandro Jenal (38. mit Nr. 66) um acht Zehntel und Justin Murisier (41. mit Nr. 52) um neun Zehntel. Elia Zurbriggen (44.) und Debütant Daniele Sette (50.) landeten noch weiter hinten, Thomas Tumler und Marc Berthod schieden aus. «Ich habe einfach zu viele Fehler gemacht», bekannte Caviezel, der damit seine letzte Selektionschance klar verpasste.

«Wir sind von der Vergangenheit eingeholt worden», bilanzierte Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. «Mit unseren hohen Startnummern haben wir die Zeche für den schwachen letzten Winter bezahlt.» Gleichwohl liess Lehmann die Tür nach Sotschi einen Spaltbreit offen: «Wir werden erst nach Wengen am 20. Januar über die Olympia-Selektionen diskutieren, aber unsere Möglichkeiten ausschöpfen.»

Zumindest für Gino Caviezel und Thomas Tumler dürfte bei Swiss-Olympic eine Selektion über die Jugend-Klausel beantragt werden. Notfalls werden auch Europacup-Resultate berücksichtigt. In Erinnerung ist noch der «Fall Urs Kälin»: Der Einsiedler qualifizierte sich 1992 ebenfalls über den Europacup für Lillehammer und holte dort Olympia-Silber – nur 0,02 Sekunden hinter Markus Wasmeier.

Auch Ski-Experte Bernhard Russi tritt für eine grosszügige Selektion ein: «Ich bin 100 Prozent dafür. Die Resultate von Adelboden entsprechen nicht der Realität. Ich bin gegen Olympia-Tourismus, aber ein Gino Caviezel wäre alles andere als ein Olympia-Tourist: Er kann in Sotschi ein Diplom holen.»

Mike von Grünigen, als 23-facher Weltcupsieger die ultimative Instanz im Riesenslalom, attestiert dem Schweizer Team gehobenes Niveau: «Die Jungen sind am Drücker. Auf diesem grobkörnigen Schnee hatten sie es schwer. Das braucht Erfahrung – und Geduld.» Es wäre schade, wenn Swiss-Ski in Sotschi nur mit Carlo Janka vertreten wäre. Der Bündner zeigte nur eine Durchschnittsleistung. «Der erste Lauf», so Janka, «war nicht gut, der zweite besser. Aber mir fehlte eine halbe Sekunde.» Sonst wäre Janka 9. statt 20. gewesen. Immerhin: Im zweiten Lauf stellte er drittbeste Zeit auf.

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