Jetzt hat das Emmental einen zweiten Hockeyhelden: Ausgerechnet der Langnauer Michael Liniger (31) entscheidet das fünfte Spiel mit seinem Tor zum 4:3 nach 74:58 in der Verlängerung. Er hatte bereits im zweiten Halbfinalspiel in Bern in der Verlängerung den Sieg erzwungen (3:2). Seine Fans verehren den Sohn des Sekundar-Kultlehrers Max Liniger (einst als Hauptdarsteller im Streifen «Hast noch der Söhne ja» ein Filmstar) schon lange als den wahren Reto von Arx. Reto von Arx ist der ultimative Langnauer Hockeyheld, der als charismatischer Leitwolf den HC Davos schon zu vier Titeln (2002, 2005, 2007 und 2009) geführt hat.

Liniger krönte eines der besten Spiele der Kloten Flyers seit dem letzten Meistertitel von 1996. Ist noch besseres Hockey möglich? Nein. Gestern haben wir eine der hockeytechnisch besten Playoff-Partien gesehen: Maximales Tempo, maximale Disziplin, maximale Härte, maximale Intensität, aber auch maximaler gegenseitiger Respekt. Wir haben den Pulverdampf der Härte und der Provokationen gerochen. Schon nach 14 Sekunden muss Reto von Arx wegen eines Stockschlages gegen Tommi Santala auf die Strafbank. Mark Bell fährt nach seinem 1:0 Torhüter Leonardo Genoni über den Haufen und kassiert zwei Minuten.

Plexiglas und Bande müssen je einmal repariert werden. Und schliesslich würzte eine Prise Hollywood-Spannung und Drama den Spielverlauf: Der HC Davos ist nach dem 3:1 schon fast Meister. Vielleicht denken das die Spieler auch. Sie werden eine Spur zu passiv, versuchen den Vorsprung zu verwalten und werden schliesslich von den Kloten Flyers überrolt: Die Zürcher holen auf 3:3 auf, erzwingen die Verlängerung und den Sieg. Obwohl sie in der Verlängerung auf ihren Topskorer Tommi Santala verzichten müssen: Der Finne wird im letzten Einsatz der regulären Spielzeit verletzt. Aber selbst dieser Rückschlag vermag die Kloten Flyers nicht zu entmutigen.

Ein wenig müssen wir die neuere Hockeygeschichte umschreiben. Die Kloten Flyers fliegen nicht nur übers Eis. Sie haben sich zu einer der kampfstärksten, härtesten Mannschaften der Liga entwickelt. Sie haben es im siebten Halbfinalspiel gegen den SC Bern (1:0) und nun erst recht in dieser Finalserie bewiesen. Die Befürchtungen, die Flyers seien zu weich, um den HCD herauszufordern. Und nicht vergessen: Jetzt hat auch Kloten seinen Reto von Arx. Michael Linigers Name ist jetzt im gleichen Atemzug mit dem HCD-Leitwolf zu nennen. Kann er am Ende sein Team auch zu einem
Titel führen?

Auf diese Frage «Nein» zu antworten, wäre eine Beleidigung für die Kloten Flyers. Wer den SC Bern aus den Playoffs kippt und gegen Davos nach einem 0:3 eine Finalserie auf 2:3 verkürzt, kann auch Meister werden.

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