Alt-Bundesrat Adolf Ogi (70), Radlegende Ferdi Kübler (93) und Schauspieler Walter Roderer († 91): Sie alle erhielten schon zu ihren Lebzeiten die Ehre, dass ein Weg oder eine Strasse nach ihnen benannt wurde. Der bekannteste und beliebteste Tennisspieler der Welt – Roger Federer ist unter anderem Rekordhalter der Weltnummer 1, siebenfacher Wimbledon-Sieger und 17-facher Grand-Slam-Sieger – wird diese Ehre in der Schweiz bisher noch verweigert: «Die Deutschen waren da den Schweizern echt einen Schritt voraus», sagte Roger Federer Anfang Juni bei der Eröffnungszeremonie der weltweit ersten RogerFederer-Allee in Halle (D).

Geprüft wurde die Idee nun in Lenzerheide GR, dem Lieblingsferienort von Federer. «Wir haben es diese Woche diskutiert, möchten aber davon absehen», sagt Nicole Reisinger von Lenzerheide Tourismus.

In der Baselbieter Gemeinde Münchenstein, wo der Tennisprofi grosse Teile seiner Jugend verbrachte, wollte man bisher nie etwas von einem Weg oder einer Allee zu Ehren Federers wissen. Nach dem Wimbledon-Sieg 2009 sammelten ehemalige Nachbarn Federers sogar Unterschriften für eine Roger-Federer-Allee – doch der damalige Gemeinderat sträubte sich dagegen. Begründung: Man wolle keine lebenden Personen mit einem Strassennamen ehren, «da nicht auszuschliessen ist, dass sich deren Ruf im Laufe der Zeit verändern kann». Daran hält man bis heute fest. Auch in der Gemeinde Bottmingen BL, wo Federer lange wohnte ist keine Roger-Weg-Tafel geplant.

Enttäuscht reagiert die Organisation Schweiz Tourismus. Dort ist man der Meinung, der Ausnahmesportler müsse mehr geehrt und im Ausland besser vermarktet werden. Federer sei nicht nur für den Tennissport, sondern auch für die Schweiz ein perfektes Aushängeschild und ein Glücksfall. «Wir würden sehr gerne mit Roger Federer als Botschafter arbeiten», sagt Daniela Bär von Schweiz Tourismus. «Doch leider können wir ihn uns nicht leisten. Es ist also somit nur eine Frage des Geldes.»

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