Von Pedro Lenz

Der Zwischenfall gab unter Fussballfans zu reden: Am letzten Wochenenden lief beim Meisterschaftsspiel St. Gallen - GC die 67. Minute, als St.-Gallen-Stürmer Nushi einen Ball erlaufen wollte, den GC-Torwart Bürki bereits festhielt. Der am Boden liegende Bürki wurde von Nushis rechtem Fuss am Kopf getroffen und verlor das Bewusstsein. Er wurde mit dem Helikopter ins Spital überführt.

Der Schiedsrichter taxierte Nushis Tritt an den Kopf von Bürki als Unsportlichkeit und stellte ihn vom Platz. Danach wurde Kristian Nushi von der Disziplinarkommission mit drei Spielsperren bestraft. Wer die Bilder im Fernsehen in Zeitlupe anschaut, kann nicht mit Sicherheit erkennen, ob der Zusammenstoss hätte vermieden werden können. Doch da sowohl der Schiedsrichter als auch die Disziplinarkommission Nushis Tritt an Burkis Kopf als Tätlichkeit beurteilen, können wir als neutrale Beobachter davon ausgehen, dass die Sperre rechtmässig ist.

Einer, der das anders sieht, ist Nushis Trainer Jeff Saibene. Er würde natürlich lieber nicht für drei Spiele auf seinen Stürmer verzichten. So gesehen ist es verständlich, dass er sich gegen die Strafe wehrt. Doch die Argumentation, die Saibene gegenüber dem Ostschweizer Fernsehsender TVO anbringt, birgt Zündstoff: «Am Anfang hat es natürlich sehr, sehr dramatisch ausgesehen. Ich denke, das ganze Stadion und Tausende von Leuten am Fernsehen hatten Angst, wie wir auch. Bürki ist ja dagelegen, dass man das Gefühl hatte, es gehe um Leben und Tod. Im Nachhinein muss ich dann sagen, wenn er schon nach einer Stunde twittert, dann stelle ich mir schon auch gewisse Fragen, dann war es doch nicht so schlimm. (...) da frag ich mich dann schon, ob nicht alles ein bisschen sehr, sehr theatralisch gewesen ist.»

Um bei Saibenes interessanter Formulierung zu bleiben, könnten wir uns nun fragen, ob der Trainer seine Worte nicht ein bisschen sehr, sehr unbedacht gewählt hat. Denn die Argumentation, dass es bei besagter Szene zwar ausgesehen habe, als ginge es um Leben und Tod, und dass es dann doch nicht um Leben und Tod ging, lässt ja den Schluss zu, dass drei Spielsperren nur dann gerechtfertigt sind, wenn es tatsächlich um Leben und Tod geht. Demnach dürfte man also einen Torhüter ungestraft in den Kopf treten, so lange er nach einer Stunde wieder twittern kann. Ein solcher Massstab scheint einem freilich ein bisschen sehr, sehr problematisch.

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