Bestimmt könnten viele Fussballklubs im Land ebenfalls von gelebter Integration berichten. Nicht nur beim SC Brühl finden Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlichster Herkunft ganz selbstverständlich zusammen. Die Integrationskraft des Fussballs ist phänomenal.

Dass nun aber gerade der SC Brühl alle Asylsuchenden aus der Region zu einem Heimspiel einlädt, ist vermutlich kein Zufall. Der Fussballklub aus dem St. Galler Krontalquartier hat eine historische Verbindung zur Schweizer Flüchtlingspolitik. Der einst geächtete und erst lange nach seinem Tod rehabilitierte Polizeihauptmann Paul Grüninger war Spieler der Brühler Mannschaft, die 1915 Schweizer Meister wurde. Ausserdem amtete Grüninger von 1924 bis 1927 und von 1937 bis 1940 als Vereinspräsident. In den Jahren 1938 und 1939 rettete Grüninger als Fluchthelfer mehreren hundert jüdischen Flüchtlingen das Leben, indem er sie illegal in die Schweiz einreisen liess. Der SC Brühl, der seine Heimspiele im nach ihrem ehemaligen Flügelstürmer benannten Paul-Grüninger-Stadion austrägt, hält das Ansehen ihres ehemaligen Vereinskameraden hoch.

Auf diesem Erbe gründet die Aktion vom Gratiseintritt für Flüchtlinge vom letzten Samstag. Über Paul Grüninger ist der SC Brühl mit einer Geschichte der Nächstenliebe und Zivilcourage verbunden. Der Klub versucht, diese Geschichte mit Worten und Taten in die Gegenwart zu tragen, nicht um die Welt zu retten, sondern um ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen. Mögen andere Vereine diesem Beispiel folgen.

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