Seither haben die beiden Fussballer sehr unterschiedliche Wege beschritten. Vardanyan geriet an die falschen Freunde und musste teuer dafür bezahlen. Im Jahr 2008 wurde er wegen Mithilfe bei Einbrüchen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Petrosyan dagegen wurde Juniorentrainer beim FCZ. Seit 2012 trainiert er die U21-Equipe der Zürcher. Der ehemalige Mittelfeldspieler tut dies mit so viel Erfolg, dass der FCZ in diesem Sommer gleich fünf junge Spieler an ausländische Klubs verkauft hat. Es ist wie verhext: Je besser Petrosyan arbeitet, desto mehr Spieler verliert er. Trotzdem gelingt es ihm immer wieder, eine starke Truppe auf den Platz zu schicken.

Es wird in letzter Zeit viel über die Verkaufspolitik des FC Zürich geschrieben. Fachleute und Fans diskutieren darüber, ob es sinnvoll ist, Spieler die noch keine zwanzig Jahre alt sind, zu verkaufen. Manche finden, es würde den jungen Burschen guttun, ein bisschen länger beim Stammklub zu bleiben und mit einem Auslandtransfer zuzuwarten. Andere sind der Ansicht, es sei richtig, wenn die Jungen ihre Chance packten. Der FCZ-Präsident muss derweil immer wieder aufs Neue erklären, dass er nichts dagegen tun kann, wenn seine Jungstars von grossen Vereinen abgeworben werden.

Nur einer bleibt in der Öffentlichkeit stumm. Artur Petrosyan arbeitet mit den Jungen, die ihm geblieben sind, und ahnt jetzt schon, dass die besten von ihnen irgendwann auch gehen werden. Jahr für Jahr stellt er eine kompetitive Truppe für die Promotion League zusammen, im Wissen, dass er seine Arbeit in jeder Saison wieder von vorne beginnen muss. Wer weiss, vielleicht war der berühmte Sisyphus aus der griechischen Mythologie gar nicht Grieche, sondern Armenier. Und immer, wenn er den Fels von neuem den Berg hinaufstossen musste, hörte er eine Stimme aus der Vergangenheit, die ihn mit dem Ruf «Hurra, Hurra Armenia!» motivierte.

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