VON RICHARD HEGGLIN AUS KITZBÜHEL

Mit seinem vierten Sieg am Hahnenkamm ist der 35-jährige Neuenburger der unangefochtene Kitz-König, dazu auch der älteste Abfahrtssieger auf der Streif – und auch im Weltcup. Mit jedem Sieg schraubt er die Marke einen Zacken höher. Überdies gelang Cuche das Speed-Double Super-G/Abfahrt, was bisher nur Hermann Maier und Stephan Eberharter schafften.

Beide österreichischen Superstars spielten bei Cuches jüngstem Triumph, seinem 13. im Weltcup, eine Rolle. «In der Gondel von Hermann Maier bin ich an den Start hochgefahren», erzählte Cuche, «auf jene von Collombin, in die ich am Freitag gestiegen war, mochte ich nicht warten.»

Und auf seine eigene erst recht nicht. Kitz-Sieger erhalten jeweils eine eigene Gondel, aber nur einmal. Weitere Erfolge werden innerhalb der Gondel eingraviert. Sonst brächen bei der Hahnenkamm-Bahnen AG nach der Cuche-Serie inflationäre Zeiten aus.

Durch Stephan Eberharters Linienwahl bei dessen Traumlauf im Jahr 2004, als er mit dem Rekordvorsprung von 1,21 Sekunden vor Daron Rahlves siegte, liess sich Cuche inspirieren: «Ich habe Video-Aufnahmen von ihm im Internet entdeckt und diese sicher 20-mal angeschaut. Ich bin aber zur Erkenntnis gekommen, dass diese Linie nicht mehr fahrbar ist.» Vor dem Start hat er sich darüber noch mit dem Österreicher unterhalten.

Im Gegensatz zum Super-G, wo er nach verhaltenem Start einen unwiderstehlichen Finish hinlegte, fuhr er in der Abfahrt regelmässig wie ein Uhrwerk. Auf keinem Abschnitt war er der Beste, aber stets bei den Schnellsten. Der einzige Fehler unterlief Cuche vor der «Flower-Zeremonie». Auf dem Weg zum Siegespodest glitt er aus und stürzte.

Cuche: «Mein einziger Crash an diesem Weekend». Der Neuenburger, der zuweilen so verbissen sein kann, befand sich nach dem Triumph in einem emotionalen Hoch und moderierte die Medienkonferenz praktisch in Eigenregie.

Er stoppte Werner Heel, als dieser zu einem Italo-Monolog ansetzte, um der Dolmetscherin etwas Luft zu verschaffen, er präzisierte die eigenen Englisch-Übersetzungen und gab das Wort erst ab, als ihm der englische Ausdruck für Jäger (Hunter) nicht einfiel. Worauf er kalauerte: «Ich bin lieber der Hunter, als als gehuntet zu werden.»

Anschliessend lancierte Cuche eine Spenden-Aktion für die Haiti-Opfer. Jede Startnummer der Kitz-Besten wird versteigert. Als er dann auch noch immer wieder die Mikrofone umstellen musste, gab er den Tarif durch und warnte: «Das kommt bei meinem Minutenlohn teuer zu stehen.» In zwei Rennen hat Cuche binnen 3 Minuten und 11 Sekunden 180 000 Franken verdient. Der Super-G-Sieg trug 75 000 Franken ein, jener in der Abfahrt 105 000 – umgerechnet auf einen Stundenlohn ergäbe das eine stolze Summe von 3,5 Millionen Franken. Da könnte sogar Roger Federer, dem Publikumsliebling Cuche schon den Titel «Sportler des Jahres» weggeschnappt hat, neidisch werden.

Auch die österreichischen Zuschauer hat Cuche mit seinem sympathischen Auftreten eingewickelt. Geschickt vermied er jede provokante Äusserung. Bei der Siegerehrung sang sogar ein Teil der österreichischen Zuschauer die Schweizer Hymne mit: «Trittst im Morgenrot daher . . .» Ihnen waren Zettel mit dem Text des Schweizerpsalms in die Hand gedrückt worden. Selber hatten die Österreicher wenig Anlass zu feiern. Michael Walchhofer stürzte. Mario Scheiber, ihr Bester, verpasste als Vierter und Bester das Podest um acht Hundertstel.

Dem spektakulären Rennen vor 44 000 Zuschauern setzte indessen einer den Farbtupfer auf, den keiner auf der Rechnung hatte. Beinahe wäre dem 28-jährigen Andrej Sporn eine der grössten Sensationen der Skigeschichte gelungen. Noch nie klassierte sich der Slowene in der Abfahrt in den Top Ten. Sein bestes Resultat stellte ein 13. Rang in Val Gardena dar. Das Verrückteste an Andrej Sporns Exploit: Er fuhr eine Skimarke, von der die meisten nicht einmal wussten, dass es von dieser auch Abfahrtsski gibt – Elan. Darauf gewann Ingemar Stenmark einst Slaloms und Riesenslaloms in Serie. Den bisher einzigen Abfahrtssieg auf Elan errang Bruno Kernen 1983, ebenfalls in Kitzbühel und sogar als Debütant. «Ich musste drei Jahre später die Skimarke wechseln, weil ich noch der einzige Abfahrer war», erinnert sich der Hotelier aus Schönried. Zur Sensation fehlten diesmal 28 Hundertstel. Wegen Cuche. Dank Cuche.

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