Die Krise ist omnipräsent. Selbst Trainer Thorsten Fink, der auch nach sechs Punkten aus sechs Spielen die Souveränität nicht verliert, räumt ein, dass man ein sportliches Tief durchlaufe. Das ist die etwas geschönte Sicht. Denn wie sich der FC Basel in Luzern phasenweise präsentiert, ist bloss noch eine Karikatur des einst stolzen, mächtigen, furchterregenden und ehrgeizigen Branchenleaders. Dass die Mannschaft von Fink spielerische Mängel offenbart, ginge ja noch. Aber dass sie zuweilen desinteressiert, satt und genügsam auftritt, ist bedenklich. Ein Beispiel: Hakan Yakin, kein Athlet von Gottes Gnaden, hat in der 21. Minute auf der linken Angriffsseite alle Zeit, um Hochstrasser in Position laufen zu lassen und diesen dann in Szene zu setzen. Dass Hochstrassers Abschluss von Park abgelenkt wird, ist Pech. Dass Luzern zu diesem Zeitpunkt 2:0 führt, ist hochverdient.

Der FC Basel hat nur eine kurze Phase, in der sein Auftritt das Prädikat genügend verdient. Und zwar nach Strellers Anschlusstreffer in der 34. Minute bis zur Pause. Davor ist keine Reaktion auf die Niederlage gegen den FC Zürich erkennbar. Danach kein Aufbäumen gegen den Rückstand. Es fehlt die Überzeugung in den Zweikämpfen. Es fehlt die Bereitschaft, lange Wege zu gehen. Und es fehlt der Wille, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. «Es ist verrückt», sagt Sportkoordinator Georg Heitz. «Da sprechen wir die ganze Woche über Standardsituationen und kassieren dann doch wieder ein Gegentor nach einem Freistoss.» Heitz spricht das 3:1 an. Hochstrasser flankt, Ferreira erzielt am hinteren Pfosten seinen zweiten Treffer. Übrigens: Der grösste Luzerner auf dem Platz ist 1,83 Meter gross, sagt Fink nach Spielschluss.

Der FC Basel ist in einer Krise, die nicht ganz unerwartet kommt. Man kann keinen Inkoom und keinen Safari gegen einen Steinhöfer und einen Voser tauschen und dabei keinen Substanzverlust erleiden. So weit das Problem Aussenverteidiger. Aber was im Zentrum derzeit abläuft, ist alarmierend. Dass man in den ersten Spielen nicht auf Abraham gesetzt hat, weil dieser abwanderungswillig war, ist ein Fehler. Der zurzeit verletzte Abraham ist der einzige Innenverteidiger, der das Team führen kann. Dragovic, zweifellos ein Talent, ist in dieser Hinsicht noch zu unerfahren. Und der neu verpflichtete Kovac hat sich bisher eher als Klumpenrisiko denn als Verstärkung erwiesen. Kovac fehlt die Physis eines Cagdas – der aussortiert wurde – und die Präsenz eines Majstorovic’. Die Angriffsauslösung des Tschechen ist zwar akzeptabel, aber sein Stellungsspiel und sein Zweikampfverhalten lassen viele Fragen offen.

Heitz wehrt sich dagegen, die defensiven Probleme beim FCB – elf Gegentore nach sechs Spielen – an Kovac aufzuhängen. Aber er räumt ein, dass sich die Führungsspieler in einer solch delikaten Situation bemerkbar machen müssten. Huggel, Streller und Frei sind gefordert. Doch jeder des einflussreichen Trios ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um das Team zu führen. Huggel ist am wertvollsten, wenn er in die Zweikämpfe kommt und hin und wieder im gegnerischen Strafraum auftaucht. Doch beides gelingt ihm derzeit nicht. Ausdruck seiner Unzufriedenheit ist die Szene gegen Schluss der Partie, als er innerhalb von 60 Sekunden zweimal verwarnt wird.

Frei hat so lange Argumente, wie er trifft. Trifft er aber nicht, ist sein Einfluss aufs Spiel überschaubar. Und er trifft in dieser Saison (zwei Tore) seltener als in der letzten. Captain Streller hat zwar gestern sein erstes Saisontor erzielt, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass er weit von seiner Bestform entfernt ist. Vielleicht auch deshalb, weil er einen Grossteil der Laufarbeit im Angriff zu verrichten hat.

Die Substanz ist vorhanden, um den Kraftakt, von der Krise an die Spitze, zu realisieren. Aber die Substanz ist nicht mehr so gross wie auch schon. Ausserdem räumt Fink ein, dass man nach zwei erfolgreichen Jahren durchaus etwas satt werden könne. Doch Fink sagt auch: «Noch ist nichts verloren. Wir haben immer noch die Möglichkeit, alles zu gewinnen.» Aber die Gewissheit, dass der FC Basel nicht eine ähnlich komplizierte Saison erleben wird wie der FC Zürich vor zwei Jahren, kann man nicht haben. Der FCZ ist damals als Meister in die Saison 2009/10 gestartet und wurde nach der Qualifikation für die Champions League noch genügsamer. Es sei schwierig, sich nach einem Auftritt in Mailand auf ein Spiel in Bellinzona zu fokussieren, hiess es damals. Doch das komme schon gut. Ist es nicht. Zürich beendete die Saison als Siebter.

Basel hat die Champions League vor sich. Fink ist froh, wenn für Basel die Hymne der Königsklasse ertönt. «Dort können wir uns Selbstvertrauen holen.» Trotz des miserablen Starts ist nichts von Unsicherheit zu erkennen, zumindest beim Trainer nicht. Dieser sagt auch: «Wir haben schon höhere Rückstände aufgeholt.» Das war in seinem ersten Jahr als FCB-Trainer. Und damals waren die Bebbi noch bissig und leidenschaftlich. Sie hatten eine Abwehr, die höheren Ansprüchen genügt. Und vor allem waren sie eine Attraktivität in dieser Liga. Die spielerische Armut lässt sich wohl erst beheben, wenn Granit Xhaka von seiner Verletzung zurückkehrt. Eigentlich verrückt, wenn beim FC Basel so viel von einem 18-Jährigen abhängt.

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