Cup ist, wenn Nationalspieler neben einer Kuhweide mit dem Ball zaubern. Cup ist aber auch, wenn der Basler Erstligist Black Stars den FC Zürich aus Gründen der Sicherheit in der zeitgemässen Arena St. Jakob-Park empfängt und VIP-Tickets für 150 Franken anbietet. Klein gegen Gross. Gross hautnah in der Provinz. Auf einem holprigen Rasen. Das ist es, was den Reiz dieses Wettbewerbs ausmacht. Es ist Fussball für Romantiker. Authentisch, urchig, bodenständig. Doch die Romantik ist mehr denn je gefährdet. Oder wie es Black-Stars-Sportchef Peter Faé sagt: «Jedes Jahr möchte ich nicht so ein Spiel haben.»

Dabei hoffen die Vereinsfunktionäre vor der Auslosung auf ein möglichst grosses Kaliber. Mindestens so lange, bis sie die ersten Erfahrungen mit der Organisation eines grossen Cup-Spiels gemacht haben. Auch Markus Stahel, Präsident des FC Amriswil, hat über das «Hammerlos» FC Basel gejubelt. Danach wurde Amriswil mit Aufgaben und Fragen konfrontiert, die für einen Klub, der sonst Spiele für 200 Zuschauer organisieren muss, Neuland bedeuten. Stahel hat sich 14 Tage lang aus seinem Geschäft ausgeklinkt und sich «Tag und Nacht dem Projekt FCB» gewidmet. Nachhaltigkeit und Erschwinglichkeit seien ihm wichtig gewesen. Beide Ziele hat er erreicht. Aber der grosse Reibach, den man sich als kleiner Klub insgeheim immer erhofft, wenn man das grösste Spiel der Vereinsgeschichte durchführen kann, ist ausgeblieben.

Einen Gewinn konnte der FC Amriswil trotzdem erzielen. Aber nur, weil die Stadt 50 000 Franken zur Verfügung gestellt und das Militär gratis zwei Tage lang beim Tribünenaufbau geholfen hat. Etwas mehr als 20 000 Franken seien übrig geblieben, sagt Stahel. Was bei 5100 verkauften Tickets nur etwa vier Franken Reingewinn pro Zuschauer entspricht. Ein paar Jahre zuvor, als Amriswil gegen den damaligen Challenge-League-Klub Schaffhausen spielte, erwirtschaftete man einen Reingewinn von 18 000 Franken. Und das, obwohl nur 1000 Zuschauer gekommen waren. «Je grösser das Spiel, desto grösser die Sicherheitskosten», sagt Stahel. «Und diese fressen einen auf.» Dies, obwohl die Polizei die effektiven Kosten nicht in Rechnung stellt. Denn gemäss einer Abmachung zwischen dem Fussball Verband (SFV) und der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) sollen Cuppartien von Amateurvereinen als Service public gelten. Doch für die Infrastruktur und die Sicherheit im Stadion ist der gastgebende Verein verantwortlich.

Marco von Ah, Mediensprecher beim SFV, spricht trotzdem von einem «sehr attraktiven Wettbewerb». Man stelle aber Überlegungen an, wie man das Produkt verbessern könne. Zur Diskussion steht eine stärkere Regionalisierung bei der Auslosung um beispielsweise eine Partie, wie sie heute zwischen La Sarraz-Eclépens (zwischen Yverdon und Lausanne) gegen Brühl St. Gallen stattfindet, zu verhindern. Ein anderes Thema sei, mittels Fairplay-Trophy in die Hauptrunde einzuziehen. Und dem Unterklassigen länger als nur bis in die Achtelfinals das Heimrecht zu gewähren.

Doch das ändert nichts daran, dass weder die Sportrechte-Vermarkter noch potente Sponsoren grosses Interesse am Cup zeigen. Es war nur eine fünfjährige Episode mit der Swisscom als Titelsponsor. Seit 2008 heisst der Cup wieder Schweizer Cup. Und der Vertrag zwischen dem Veranstalter SFV und dem Vermarkter IMG läuft mit dem Final 2013 aus. Und im Moment sieht es nicht danach aus, als ob die Vereinbarung zwischen den beiden Parteien verlängert wird. «Einerseits ist die Garantiesumme, welche der SFV fordert, zu hoch», sagt IMG-Mann Christoph Arnold. «Andererseits ist eine zentrale Vermarktung wie in der Champions League nicht möglich.» Sprich: Die Sponsoren des Heimklubs müssen das Werbefeld nicht einem Cup-Sponsor überlassen.

Bleibt die Frage, ob sich InfrontRingier nach den Vermarktungsrechten an der Super- und Challenge League auch jene am Cup krallt. Armin Meier, früher bei IMG tätig, verwirft die Hände und sagt: «Wir haben uns zwar damit auseinandergesetzt. Aber die Verhandlungen haben sich zerschlagen. Die Vorstellungen zwischen uns und dem SFV liegen so weit auseinander, wie Mitt Romney von einer Wahl zum US-Präsidenten entfernt war.» Die Garantiesumme sei so hoch, dass der Cup für einen Vermarkter nicht refinanzierbar sei. Meier spricht davon, dass IMG jährlich einen Verlust in siebenstelliger Höhe einfahre. Dabei sei das Produkt «Cup» nicht schlecht. «Aber die Fernsehpräsenz ist klein. Und mit Ausnahme des Finals kann man sich als Sponsor nicht ausbreiten», moniert Meier. Viel eher interessiert ihn die Einführung eines Cup-Wettbewerbs im Eishockey.

Der SFV wird die Vermarktung wohl wieder in Eigenregie durchführen. Ob künftig die Klubs mehr Geld bekommen – Stahel spricht von «lächerlichen» 3000 Franken für das Erreichen der 1. Hauptrunde –, ist fraglich. Denn auch die Nationalmannschaft, welche der SFV ebenfalls selbst vermarktet, hat zuletzt eher Sponsoren verloren als gewonnen.

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