Von Markus Brütsch

Es gibt noch einen aufmunternden letzten Klaps von Präsident Ruedi Stäger auf den Rücken, und dann verschwindet Alex Frei im Bauch der Swissporarena. Auch sein letzter Abend als Sportdirektor des FC Luzern ist kein schöner gewesen. 0:3 hatten die Zentralschweizer gegen den FC Basel zum Jahresschluss verloren und überwintern in der Super League als Rote Laterne.

Danach wurde bekannt gegeben, was sich in der letzten Zeit abgezeichnet hatte: das Ende von Frei als Funktionär beim FCL. «Der Verein und Alex Frei trennen sich am Ende des Jahres in gegenseitigem Einvernehmen», sagte Stäger. Weil an dieser Medienkonferenz keine Fragen zugelassen waren, ist unklar, ob die von Frei installierten Andy Egli (Nachwuchschef), Christian Schmidt (Konditionstrainer), Remo Gaugler (Assistenztrainer) und Benjamin Huggel (U16-Trainer) ihre Verträge erfüllen werden. Frei sagte, unter den gegebenen Umständen könne er nicht mehr weiterarbeiten.»

Was er damit meinte, hatten zuvor im Stadion die Hardcorefans zum Ausdruck gebracht. «Stierli raus!», hatten sie gerufen, weil sie glauben, dass der Ehrenpräsident und Klubinvestor Walter Stierli aus dem Hinterhalt Freis Arbeit torpediert habe. Weil Stierli von Anfang an gegen die Anstellung des Baselbieters gewesen war. Frei sagte zum Abschied, er werde jetzt die Zeit nützen, um die nötige Distanz zu bekommen. «Auch wenn es am heutigen Abend vielleicht seltsam klingt: Ich bin überzeugt, dass dieser FCL in naher Zukunft sehr erfolgreich sein wird.» Stäger sagte, man werde ab sofort einen Nachfolger suchen, kommentierte aber kolportierte Namen wie Dragan Rapic, Andres Gerber und Ilja Kaenzig nicht. Fragt sich bloss, ob sich überhaupt noch jemand finden lässt, der im Intrigantenstadel FC Luzern anheuern will.

So endete gestern Abend, was im April 2013 mit einem symbolhaften Bild begonnen hatte. Stark hinkend war Frei an seinem ersten Arbeitstag in Luzern erschienen; im Nachhinein betrachtet ein Menetekel. Am Tag zuvor hatte er sich zwar im Spiel gegen den FCZ mit einem Traumtor vom aktiven Profifussball verabschiedet, dabei jedoch einen Muskelfaserriss erlitten. Doch Frei begann gut beim FC Luzern. Sein Entscheid, den glücklosen Trainer Ryszard Komornicki durch Carlos Bernegger zu ersetzen, war nachvollziehbar. Es stellten sich Erfolge ein: souveräner Ligaerhalt im Mai 2013; Rang zwei in der Winterpause der nächsten Saison. Luzern hatte mit Frei und Bernegger sein Traumpaar gefunden.

Weshalb es dann 2014 derart abwärts ging, ist rätselhaft. Weil sich der FCL am letzten Spieltag mit dem Sieg über Thun gleichwohl für die Europa-League qualifizierte, wurde der Vertrag mit Bernegger ohne Not vorzeitig verlängert. Dass Frei und Präsident Ruedi Stäger bei dieser Entscheidung die Klubbesitzer um Bernhard Alpstaeg und Walter Stierli übergingen, war ein schwerer Fehler. Anfang Oktober musste Frei Bernegger entlassen. Die Mannschaft war nach zehn Runden ohne Sieg. Frei holte Markus Babbel, doch der durchschlagende Erfolg blieb aus. Zuletzt zwei Heimniederlagen zementierten die katastrophale Bilanz: Schlusslicht ohne Heimsieg.

In Freis Amtszeit fallen 18 Zuzüge und 22 Abgänge. Seine Transferbilanz ist mässig. Bei den Verpflichtungen von Offensivspielern hat der ehemalige Stürmer mit Schneuwly, Jantscher und Freuler ein gutes Auge bewiesen, die geholten Abwehrspieler Affolter und Rogulj aber erwiesen sich als Schwachpunkte. Die Abgänge von Stahel und Puljic wurden nicht kompensiert. Gewiss, Frei musste mit einem um 700 000 Franken reduzierten Budget arbeiten und einen Umbruch einleiten, aber ein bisschen mehr hätte dennoch herausspringen müssen. Thun hat doppelt so viele Punkte, aber klar weniger Mittel.

Den Mutigen gehört die Welt – mit dieser Einstellung war Alex Frei vom einen Tag auf den anderen vom Fussballer zum Sportdirektor geworden. Nicht ahnend, in welches Haifischbecken er geraten würde. Eines, das ihn zunehmend zermürbt hat. «Es tut mir leid für Alex», sagte gestern FCB-Captain Marco Streller. «Ich weiss, mit wie viel Engagement er sich in die Aufgabe reingekniet hat.» Vermutlich hätte Frei in einer anderen Umgebung einen besseren Einstieg in den neuen Beruf gefunden. Er hat viel Lehrgeld bezahlt und ist in Luzern, wie viele andere, gescheitert. Das bedeutet nicht, dass er nicht mal ein erfolgreicher Sportchef wird. Es wäre aber wohl klüger gewesen, den Job bei einem kleineren Verein in einer tieferen Liga von der Pike auf zu erlernen, oder allenfalls erst ein paar Jahre als Trainer zu arbeiten.

Am Tag, als Frei seine Profikarriere beendet hatte, sagte er: «Ich hatte in meiner Karriere immer im richtigen Moment Glück.» Nun könnte er sagen: «Ich war zur falschen Zeit beim falschen Klub und hatte Pech.»

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