Es ist Mittwoch. Der Tag vor dem Viertelfinalspiel in der Europa League zwischen Basel und Valencia. Noch ist keine Minute gespielt. Und doch gibt es bereits viele Verlierer. Der FCB. Tausende Fans. Der Schweizer Fussball. Und auch: Präsident Bernhard Heusler.

Das Geisterspiel steht an. Die Strafe nach den Ausschreitungen von Salzburg. Es überschattet die Vorbereitungen in Basel. Heusler sagt: «Ein Teil der Seele fehlt. Das ist bedauerlich.» Dem Verein entgehen Einnahmen in der Höhe von gut 1,5 Millionen Franken.

Etwa 25 000 Fans hätte Heusler erwartet. Seine Laune an diesem Vorabend ist mittelmässig. Sein Missmut kommt immer wieder im ironischen Unterton zum Vorschein. Das Thema «Fans und Sicherheit» liegt ihm am Herzen. Heusler muss und will jedes Wort auf die Goldwaage legen. Mit jeder Aussage macht er sich potenziell angreifbar. «Zu starke Nähe zu gewalttätigen Fans!», schreien die einen. «Zu wenig Solidarität mit dem FCB-Lebenselixier», die anderen.

An diesem Mittwoch musste Heusler einen bedenklich unqualifizierten und widersprüchlichen Artikel in der «Basler Zeitung» über sich ergehen lassen. Was viele Leser nicht wussten: Der Verfasser, der Oberwiler CVP-Politiker Peter Müller, bot sich nach dem Abgang von Thorsten Fink beim FCB als Krisen-Berater an – natürlich erfolglos. Der Text ist auch eine Racheaktion.

Zum Glück gibt es auch Themen, die Heusler erfreuen. Der sportliche Erfolg des FCB zum Beispiel. Oder, natürlich, die Rot-Blaue Kasse. Sie ist prall gefüllt. Rechnet man die aktuelle Spielzeit dazu (die Prämien werden erst am Saisonende bezahlt), erhielt Basel seit der ersten Teilnahme an der Champions League 2002 von der Uefa 89,6 Millionen Franken. Hinzu kommen noch zirka 3,5 Millionen aus dem TV- und Marketing-Pool. Ein Weiterkommen gegen Valencia in der Europa League ist 1,21 Millionen Franken wert.

Der «Schweiz am Sonntag» liegt die Champions-League-Prämien-Liste der Uefa vor. Darin enthalten sind sämtliche Zahlungen seit der Gründung 1992 bis und mit Saison 2012/13 (siehe Grafik). Derzeit liegt der FCB auf Rang 45. Vor Klubs wie Atlético Madrid, Tottenham oder Zenit St. Petersburg. Dank der Teilnahme an der diesjährigen Champions League – der FCB erhält 16,691 Millionen Franken – ist ein kleiner Sprung nach vorne wahrscheinlich. Die anderen Teams aus der Schweiz in der Rangliste liegen auf den Rängen 91 (FC Zürich), 103 (Thun) und 105 (GC).

Der Schluss liegt nahe: Der FC Basel ist ein goldener Esel! Präsident Heusler jedoch sagt: «Das machen wir uns nicht vor.» Es sei zwar schön, wenn man keine Finanzspritzen benötige und darauf sei man auch stolz. «Doch mehr finanzielle Möglichkeiten wecken auch Begehrlichkeiten. Es ist nicht so, dass alles Geld in die Kassen des Vereins fliesst.» Die Zuschauereinnahmen eingerechnet hat der FCB in dieser Saison europäisch bereits über 22 Millionen Franken verdient. Davon bleiben dem Verein etwa 55 Prozent, rechnet Heusler vor. Auch mit einem anderen Klischee möchte Heusler aufräumen. Dass der FC Basel das Bayern München der Schweiz sei, treffe nicht zu. «Wäre dies der Fall, hätten Shaqiri, Xhaka, Salah oder Sommer neue Fünfjahresverträge unterschrieben.»

Seit 2010 hat der FC Basel knapp 33 Millionen Franken Gewinn gemacht. Dazu tragen neben den Einnahmen aus der Champions League vor allem Auslandtransfers bei. Zum letzten Mal wies der FCB 2009 einen Verlust aus – fast zehn Millionen Franken. Es war die Saison, als der FC Zürich Meister, Christian Gross entlassen und mit Alex Frei kräftig ins Team investiert wurde. Hat Heusler Angst, dass es irgendwann wieder einmal ein solches Jahr geben kann? «Diese Bürde tragen wir stets mit uns, das ist klar», sagt er. «Im jährlichen Budgetprozess beginnen wir jeweils mit Minus 10 Millionen. Denn um an die grossen Geldtöpfe in Europa heranzukommen, müssen wir uns ein Kader leisten, das alleine für nationale Ambitionen zu gross und teuer wäre. Es ist ein Spagat.»

Doch der Spagat gelingt mehr und mehr. Auch ohne Mäzenin Gigi Oeri, die mit ihren Geldern einst die Basis gelegt hatte, dass der Verein überhaupt derart wachsen konnte.

Seit 2004 rechnet der FCB im Jahres- statt Saisonrhythmus. Dies hat zwei Gründe. Erstens ist er dank dem Jahreskartenverkauf bereits im Januar liquid. Zweitens ist es ein Schutz gegen eine unerwartet schlechte Saison. Die Transfers von Mohamed Salah und Yann Sommer (Ertrag: fast 30 Millionen Franken) werden beispielsweise erst in der Jahresrechnung 2014 verbucht. Die nahe Zukunft sieht also rosig aus. Selbst wenn der FCB überraschenderweise nicht Meister würde und die Champions League 2014/15 verpassen sollte.

Es ist Donnerstagnacht. Hinter Bernhard Heusler liegt eine Partie mit gemischten Gefühlen. Da der Jubel über die drei Tore gegen den spanischen Tabellenachten Valencia. Hier die Enttäuschung darüber, dass die rund 1000 Fans ennet der Stadionmauern die reife Leistung ihres FC Basel nicht mit eigenen Augen bestaunen dürfen.

Auch wenn er das so wohl nie sagen würde, weiss der Präsident nach dem Schlusspfiff: Wenn die Mannschaft im Rückspiel genauso konzentriert zur Sache geht wie im Geisterspiel, ist ihr der Einzug in die Halbfinals kaum mehr zu nehmen. Was Heusler besonders am Herzen liegt: Die Schlagzeilen würden dann wieder vom Sportlichen handeln. Schon allein die Tatsache, dass der FCB als Favorit in eine Partie gegen einen spanischen Klub steigt, zeigt, wo er sich im Vergleich zur Schweizer Konkurrenz bewegt: in eigenen Sphären.

Mitarbeit: Sebastian Wendel

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