Es ist der 16. Januar 2012. Gisela «Gigi» Oeri übergibt das Präsidentenamt beim FC Basel an Bernhard Heusler. Mit ihren letzten Worten als Amtsträgerin fordert sie die Mitglieder an der ausserordentlichen Generalversammlung auf: «Stehen Sie hinter Bernhard Heusler. Er ist einer der besten Männer, die es je beim FCB gegeben hat.»

Zehn Monate später tönt es anders. Die 57-Jährige gewährt dem «Sonntag» ein Interview zu ihrem Filmprojekt «Cloud Atlas» – und dabei äussert sie sich auch zum FC Basel. Die autorisierten Aussagen bergen Zündstoff.

Zum angekündigten Rücktritt von Stürmer Alex Frei sagt Oeri: «Es entscheiden jetzt andere. Der jetzige Präsident ist verantwortlich und das muss man akzeptieren. Ich kenne die genauen Beweggründe nicht, deshalb kann ich auch nicht beurteilen, ob die jüngsten Entscheide gut oder schlecht sind. Ich kann nur sagen: Ich hätte einiges anders gemacht.»

Dann kommt Oeri auf Thorsten Fink zu sprechen, den ehemaligen FCB-Trainer, der im Oktober 2011 mitten in der Saison in die Bundesliga zum Hamburger SV wechselte. «Schon bei Thorsten Fink hätte ich anders gehandelt. Ob es mir gelungen wäre, ihn in Basel zu halten, weiss ich natürlich nicht, aber ich hätte es zumindest versucht», sagt Oeri. «Vielleicht wäre es noch falscher herausgekommen, ich weiss es nicht. Ich bin eine Frau mit Emotionen. Ich hatte viel Ärger, aber auch verdammt viel Glück. Denn ich habe meine Entscheide immer aus dem Bauch gemacht. Viele sagten: Die Alte spinnt, doch rückblickend lag ich immer richtig.»

Die Ehrenpräsidentin des FCB spricht mit dem «Sonntag» auch über die Finanzen. «In zehn Jahren habe ich rund 50 Millionen zurückgegeben», sagt sie. Und weiter: «Jetzt entscheiden andere, das muss man akzeptieren. Ich wünsche ihnen allen Erfolg der Welt, aber ich sehe, dass die Kontinuität und der Zusammenhalt im Klub im Moment am Zerbrechen sind.» Ihr Fazit: «Wenn das so weitergeht, ist der FCB wie jeder andere Fussballklub auch.»

Die Zahl von 50 Millionen Franken wurde bisher in der Öffentlichkeit nicht genannt. Sie stammt von Gigi Oeri und lässt sich aus den Geschäftsberichten des FCB heraus nicht bestätigen. Entsprechende Recherchen des «Sonntags» ergaben, dass die Zahl deutlich zu hoch gegriffen ist. Der FCB wollte sich weder dazu noch zu Oeris Kritik äussern. Man suche das direkte Gespräch mit ihr, hiess es.

Oeris Wortmeldung zum jetzigen Zeitpunkt könnte mit der Entlassung von Trainer Heiko Vogel zusammenhängen. Denn mit Vogels Nachfolger Murat Yakin, der bis 2006 Spieler beim FC Basel war, und dessen Bruder Hakan hat sie sich überworfen. Dies wegen Hakans überraschenden Transfers von Basel zu Stuttgart im Januar 2004. Oeri missfällt die Rückkehr von Murat Yakin zum FCB total, ebenso wie das Comeback von Klublegende Massimo Ceccaroni. «Cecca» ist seit diesem Sommer technischer Leiter der Nachwuchsabteilung.

Irritierend sind Gigi Oeris Aussagen zum Rücktritt von Alex Frei. Denn Oeri sprach sich im Sommer 2009 gegen die Rückholaktion des Stürmerstars aus. Bernhard Heusler, damals Vizepräsident und seit Anfang 2009 verantwortlich für die operative Leitung, musste sich eigenhändig auf die Suche nach Finanzspritzen von Investoren machen, um den knapp sieben Millionen Franken teuren Transfer stemmen zu können. Heusler sagte kürzlich bei der Bekanntgabe von Freis Rücktritt: «Ihn zurückzuholen, war der gefährlichste und risikoreichste Entscheid meiner Amtszeit.»

Der FC Basel wäre ohne Gigi Oeri nicht das, was er heute ist. 1999 stieg sie während der Amtszeit von Präsident René C. Jäggi beim FCB als Mäzenin ein und ermöglichte die Bereitstellung einer schlagkräftigen Mannschaft, die 2002 den Meistertitel gewann und danach in der Champions League für Furore sorgte. Von 2006 bis Anfang 2012 stand sie dem Klub als Präsidentin vor. Im Januar 2009 gab sie die Verantwortung des Tagesgeschäfts an Bernhard Heusler ab. Heute präsidiert Gigi Oeri die Stiftung Nachwuchs-Campus Basel, in deren Auftrag ein Leistungszentrum gebaut wird. Laut eigener Aussage steuert sie für die Stiftung jährlich 2,6 Millionen Franken bei.

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