VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Wie ist der Stand der Dinge?
Peter Sauber: Wir wissen alle etwa gleich lang, dass BMW aus der Formel 1 aussteigt. Ich habe es 24 Stunden früher erfahren. Das ist für die Mannschaft in Hinwil, aber auch für mich ein Schock. Dass es den Leuten schwer auf dem Magen liegt, wenn dreieinhalb Jahre nach dem Zusammenschluss von BMW und Sauber das Aus bekannt gegeben wird, kann ich verstehen.


Was unternehmen Sie jetzt?
Es gibt die Möglichkeit eines Verkaufs des Teams. Das wäre die angenehmste Lösung. Man sucht einen Investor, der das Team kauft, aber auch die nötige Power hat, um Sponsorengelder aufzutreiben. Es ergibt keinen Sinn, wenn man nach einem Jahr bereits wieder abstürzt, wie dies in der Formel 1 schon häufiger vorgekommen ist. Vorrangig ist, dass wir unseren langjährigen Sponsor Petronas bei der Stange halten können. Wir können nur unser Bestes tun. Für die Belegschaft ist die Situation sehr schwierig. Denn die gehen jetzt mit einem schweren Rucksack für zwei Wochen in die Betriebsferien. Ich hatte in 17 Jahren Formel 1 viele schwierige Situationen zu meistern. Die Garantie, dass ich es diesmal schaffe, gibt es nicht. Aber es ist ganz wichtig, dass man an die Rettung glaubt.


Welches Szenario ist das wahrscheinlichste?
Ich hoffe, dass wir das Team weiterführen können. Wenn sich eine sinnvolle Weiterführung nicht realisieren lässt, gibt es die Möglichkeit einer Umnutzung des Standorts Hinwil.


Sie betonen, wir suchen Investoren. Lässt Sie BMW also nicht hängen?
Es gibt Investoren, die sich direkt bei BMW melden. Es gibt mehrere neue Teams, die gerne in die Formel 1 gegangen wären. Die einen haben keine Infrastruktur, dafür aber Geld. Wir könnten einem unabhängigen Team die beste Infrastruktur bieten.


Die Hoffnungen ruhen aber hauptsächlich auf Ihnen. Man traut Ihnen die Rettung des Werks zu. Wie fühlen Sie sich in der Rolle des Messias?
Es ist sympathisch, wenn die Leute an meine Fähigkeiten glauben. Wir waren immer wieder mit grossen Schwierigkeiten konfrontiert. Beispielsweise das Sponsorenproblem in unseren ersten zwei Jahren in der Formel 1. Das heutige Problem ist vergleichbar, auch wenn es eine andere Dimension hat. Deshalb glaube ich nicht, dass es unlösbar ist. Doch man muss es sehr ernst nehmen. Und man darf niemandem versprechen: Ich schaffe das. Deshalb höre ich das mit dem Messias nicht gerne. Wenn ich mit der Belegschaft rede, versuche ich immer meine Fähigkeiten zu relativieren.

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