VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL, FLORENCE VUICHARD

Herr Petkovic, warum sind Sie eigentlich Schweizer geworden?
Vladimir Petkovic: Weil ich mich als Schweizer fühle. Ich habe mein halbes Leben hier verbracht, meine Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Meine Mentalität war aber schon vorher sehr schweizerisch: Pünktlichkeit und Ordnungssinn haben immer eine Hauptrolle in meinem Leben gespielt.


Was gefällt Ihnen an der Schweiz?
Es kommt darauf an, von welchem Teil der Schweiz wir sprechen (lacht). Mir gefällt die kulturelle Vielfalt hier, das gab es früher auch in meiner Heimatstadt, in Sarajevo. Die Vielfalt ist gut für die menschliche Entwicklung.


Was gefällt Ihnen nicht?
Das Streben nach Sicherheit in allen Bereichen hat viele positive Seiten. Aber es kann auch negativ sein – insbesondere im Sport: So sind junge Schweizer nicht immer bereit, das Risiko auf sich zu nehmen, Profifussballer zu werden. Aber generell kann ich sagen: Hier in der Schweiz kann man ein gutes Leben führen, nicht so wie in meiner früheren Heimat oder in vielen anderen Ländern.


Wieso sind Sie 1987 in die Schweiz gekommen?
Das hatte mehrere Gründe: Mein erster Profivertrag bei Sarajevo lief aus, ich erhielt ein Angebot aus der Schweiz, und in Jugoslawien wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Profifussballern erlaubte, auch schon vor dem 28. Lebensjahr ins Ausland zu gehen. Bei mir passiert im Leben oft alles gleichzeitig. Ich hatte keinen Plan.


Es war also Zufall.
Es war ein Glücksfall! Aber das konnte ich damals nicht wissen. In der Schweiz zu sein, bedeutete für mich nicht nur, mehr Geld zu verdienen und mehr Lebensqualität zu haben. Ich wurde so verschont vom Krieg in meiner Heimat.


Aber Ihre Familie war noch in Sarajevo während des Krieges?
Nein, sie sind im Krieg rausgekommen. Sie waren ein bisschen bei mir, ein bisschen in Kroatien. Aber die Eltern meiner Frau sind geblieben – ihr Vater hatte aber ein, zwei Jahre nach dem Krieg einen Herzinfarkt und ist gestorben.


Und jetzt sind Ihre Eltern wieder zurück in Sarajevo?
Ja. Es hat sich dort viel verändert. Ich gehe einmal im Jahr nach Sarajevo, rund um Weihnachten. Für zwei Wochen ist es schön, ich treffe meine Familie und Freunde. Aber für ein seriöses Familienleben geht das nicht.


Interessieren Sie sich eigentlich für Schweizer Politik?
Ich lese jeden Morgen den Teletext und Zeitungen, aber ich interessiere mich nicht sehr für Politik.


Gehen Sie abstimmen?
Ja. Abstimmungen entscheiden über die Zukunft – über meine Zukunft und über die meiner Kinder.


Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!