Der Widerstand gegen das geplante Zürcher Hardturm-Stadion kam diese Woche überraschend und massiert, nachdem die FDP-Delegierten Nein gesagt hatten zum 216-Millionen-Projekt. Jetzt schaltet sich Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld ein. «Der wachsende Widerstand gegen das neue Fussballstadion irritiert mich zutiefst», sagt er. «Hier wird von einzelnen Zürcher Parteien und Exponenten viel zu provinziell gedacht.»

Zürich brauche als Grossstadt einen echten Fussballtempel. Ansonsten könnten die Grasshoppers und der FCZ den wirtschaftlichen Rückstand auf den FC Basel nie aufholen, fürchtet Hitzfeld: «So geht die Schere künftig nur noch weiter auseinander.» Auch der Nati käme ein neues Stadion zugute, ist der Trainer überzeugt. Die Stimmung könnte die Spieler zu Spitzenleistungen antreiben. «Wir wollen wieder in Zürich spielen», sagt er. Dafür brauche es den Neubau.

Unterstützung fürs Stadion kommt auch von Fifa-Präsident Sepp Blatter: «Zürich als Weltstadt benötigt ein Stadion nach den neusten sicherheitstechnischen Standards», sagte er auf Anfrage.

Die Welt scheint verkehrt. Bürgerliche – sonst sportfreundlich eingestellt – sind daran, das Stadion abzuschiessen. Rot-grüne aber kämpfen im Verbund mit den Fussball-Exponenten für die neue Arena. Bei rot-grün gerät man ins Schwärmen, so wie früher bei der FDP, als diese beim Grasshopper-Club noch den Ton angab: «Ich bin voll davon überzeugt, dass Zürich ein Fussballstadion braucht», sagt SP-Kantonsrätin Monika Spring, auch Co-Präsidentin der IG Hardturmquartier. «Der Letzigrund hat nichts zu tun mit einem Hexenkessel, ist windig, man ist weit entfernt und im Winter ist es kaum auszuhalten.»

Die grüne Kantonsrätin Esther Guyer sagt zur freisinnigen Nein-Parole: «Die FDP ist orientierungslos, einmal sagt sie Ja, einmal Nein. Diese Partei schafft sich selber ab.» Sie finde den Entscheid «schade» und könne ihn «nur bedingt» verstehen, ergänzt Beatrice Reimann, Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich. Und Spring hält fest: «Die FDP macht eine ganz schlechte Falle.»

Noch im Jahr 2004 rief die FDP zur Demonstration für ein neues Stadion auf. Mit über 1000 Fussballfreunden kämpften die damalige FDP-Kantonalpräsidentin Doris Fiala und Nationalrat Filippo Leutenegger, dass Zürich an der Euro 08 nicht nur «Umsteigebahnhhof» sei. Später sei es dann FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder gewesen, der «eine ganz wichtige Rolle spielte bei der Wiederaufnahme des Projekts», erinnert sich Monika Spring.

Gespalten ist heute selbst die Zürcher FDP-Nationalrats-Delegation. Fiala und Ruedi Noser sind für, Leutenegger («Ich respektiere den DV-Entscheid») und Markus Hutter eher gegen das Projekt. Nicht gerade das beste Vorzeichen, wenn die Bürgerlichen bei den nächsten Zürcher Stadtratswahlen die linke Dominanz brechen wollen.

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