VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Die Finalissima YB gegen FCB ist auch ein Duell der Trainer. Hier der 46-jährige Vladimir Petkovic, der als Profi eine bescheidene Karriere gemacht hat und deshalb als Trainer keine grosse Lobby genoss. In der Deutschschweiz war er lange Zeit verkannt und während Jahren eigentlich nur Trainer im Nebenamt. Der kroatischstämmige Schweizer arbeitete im Tessin viele Jahre hauptberuflich als Sozialarbeiter bei der Caritas. Erst mit dem Aufstieg mit Bellinzona und der Teilnahme am Cupfinal 2008 wurde Petkovic auch ennet dem Gotthard zum Begriff. Heute kann er YB zum ersten Meistertitel nach 1986 führen.

Dort der 42-jährige Thorsten Fink. Als Profi ein vorzüglicher Teamplayer, der für die Stars von Bayern München die Drecksarbeit erledigte. Auch er musste als Trainer weit unten anfangen, bei den Reserven von Red Bull Salzburg. Doch sein Aufstieg verlief einiges rasanter als jener von Petkovic. Vier Jahre nach seinem Einstieg ins Trainermetier kann er Schweizer Meister werden.

Beide Trainer haben am letzten Donnerstag gepokert. Sie liessen Stammspieler draussen, weil diese nach einer Verwarnung für die Finalissima gesperrt gewesen wären. Petkovic verzichtete in Luzern auf Abwehrchef Dudar und Stürmer Bienvenu und geisselte sich danach für diese Massnahme. Dabei war Finks Poker noch viel riskanter. Erstens stand der Deutsche gegen Xamax unter Siegzwang. Zweitens war seine Ersatzbank – neben Rückkehrer Frei – mit Shaqiri, Abraham, Stocker und Huggel noch prominenter besetzt als jene der Young Boys. Doch nur Finks Poker ging auf. Er hat am letzten Donnerstag das Wunder vollbracht, die einstige Hypothek von 13 Punkten Rückstand zu tilgen.

Der Poker geht heute in die letzte Runde. Und es ist Petkovic, der als Erster die Ansage macht. Er streicht für das Spiel der Spiele seinen Spiritus rector aus dem Kader. Er wolle Gilles Yapi schützen. Der Mittelfeldspieler aus der Elfenbeinküste spielt nächste Saison für den FCB. Falls die Berner ihren Ruf zementieren und erneut ein entscheidendes Spiel verlieren, muss Petkovic mit dem Vorwurf leben, nicht die besten Spieler aufgeboten zu haben.

So absurd es tönt: Im Vergleich zu Petkovic ist der Druck auf Fink bedeutend kleiner. Zwar ist man als Trainer beim Branchenleader zum Siegen verdammt, doch Fink hat mit dem Cupsieg bereits eine Trophäe im Trockenen. Ausserdem wird ihm hoch angerechnet, wie er nach dem harzigen Start die Wende geschafft hat und die Zuschauer mit attraktivem Fussball verwöhnt. Petkovic versus Fink: zwei Trainer mit Perspektiven. Doch nur einer wird heute ein ganz Grosser.

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