VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL UND RUEDI KUHN

Vor der Saison haben Sie den Titelgewinn als Ziel formuliert. Davon ist BMW-Sauber aber meilenweit entfernt. Woran liegts?
Mario Theissen: Zum einen im Bereich der Aerodynamik. Wir haben uns zum Anfang der Saison mit der Legalisierung des Doppeldiffusors einem Konzeptsprung gegenübergesehen, mit dem wir nicht gerechnet und den wir verpasst haben.

Und die weiteren Defizite?
Die sehe ich im Bereich Reifennutzung. Offensichtlich tun wir uns schwer, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Auch hier sind wir dabei, das Problem in den Griff zu kriegen. Aber, wie man sieht, noch nicht mit dem nötigen Erfolg.

Die anderen Spitzenteams wie Ferrari oder McLaren verringern den Rückstand zur Spitze.
Es ist für mich eher ermutigend, dass bei zwei Teams Fortschritte zu sehen sind. Bei McLaren zwar erst im letzten Rennen, aber immerhin.

Während Brawn mit Doppeldiffusor für Furore sorgte, sind Sie mit Kers – dem Booster auf Knopfdruck – hinterhergefahren. Unterdessen setzen Sie Kers nicht mehr ein. Wie viele Millionen hat BMW-Sauber für Kers in den Sand gesetzt?
Wir haben kein Geld in den Sand gesetzt, weil wir von Anfang an auf eine sehr starke Vernetzung zwischen der Formel 1 und der Serie geachtet haben. Ich finde es sehr schade, dass sich Kers nicht durchgesetzt hat. Dieses System ist eine hervorragende Chance gewesen, die Formel 1 neu zu positionieren.

Was wir mit Kers in den letzten anderthalb Jahren gelernt haben, ist praktisch im Zeitraffertempo abgelaufen und hat der Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen für die Strasse einen enormen Sprung gebracht. Wir sind dabei, den Knowhow-Transfer von Kers für Serienprodukte umzusetzen. Sie können davon ausgehen, dass man dieses Know-how auf der Strasse sehen wird.

Aber Kers hat geflopt.
Den Vorteil von Kers kann man leicht berechnen. Das System liefert pro Runde 82 PS während maximal 6,7 Sekunden. Den Einfluss auf die Rundenzeit kann man leicht quantifizieren. Weit schwieriger ist es, die Handicaps zu quantifizieren. Ein etwas höherer Schwerpunkt, eine etwas weiter nach hinten verschobene Gewichtsbalance. Schlechtere Bremsstabilität. Kompromisse, die man bei der Aerodynamik eingehen muss.

Müssen Sie sich irgendeinen Vorwurf gefallen lassen?
Vielleicht, dass wir die Faktoren unterschätzt haben, die bei Kers ein Handicap darstellen. Wenn die Ingenieure der vier Top-Teams auf den Zug Kers aufspringen, zeigt das, dass die Einschätzung bei den anderen drei Teams ähnlich gelagert war.

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