Besser gehts kaum noch: Roger Federer, Rafael Nadal und Stan Wawrinka, die Nummern zwei, drei und vier der Tenniswelt spielen ab morgen um den Titel bei den Swiss Indoors. Turnierdirektor Roger Brennwald serviert sieben Tage lang den Hauptgang bei den Basler Sportwochen. Als Vorspeise gab es vor kurzem den FC Liverpool in der Champions League und mit Titelverteidiger Real Madrid tischt der FC Basel in einem Monat das Dessert auf. Statt St. Jakobshalle heisst es dann St. Jakob-Park, statt Federer, Nadal, Wawrinka und Co. stürmen Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, James Rodriguez und Kollegen. Und als Beilage zu diesem Galamenü gastiert der Handball-Europameister eine Woche nach dem Final der Swiss Indoors ebenfalls in der St. Jakobshalle. Die Schweiz trifft in der Qualifikation zur Euro 2016 auf Titelverteidiger Frankreich.

32 Grand-Slam-Siege und 161 Millionen Franken Preisgeld haben die drei Tennisstars gemeinsam auf ihrem Konto. 290 Millionen Franken beträgt der Marktwert der drei teuersten Kicker von Real Madrid. Die Vorspeise liessen sich die Schweizer schmecken. Der FCB besiegte Liverpool 1:0. Die weiteren Brocken könnten den Schweizern aber im Hals stecken bleiben. Beim Hinspiel in Madrid kam der FCB mit 1:5 brutal unter die Räder, und Nadal ist keineswegs der einzige starke Herausforderer von Federer und Wawrinka. Mit dem Kanadier Milos Raonic und dem Bulgaren Grigor Dimitrov sind auch die Nummern neun und zehn der Welt am Start. Dazu kommt aus den Top 15 noch der Lette Ernests Gulbis.

So zufrieden wie heute blickte Roger Brennwald seit einigen Jahren nicht mehr seinem Turnier entgegen. Was vor 44 Jahren in einer Ballonhalle begann, hat sich zum grössten Sportanlass der Schweiz entwickelt mit einem Budget von fast 20 Millionen Franken. Seit 40 Jahren arbeitet Brennwald mit dem Spieleragenten Sergio Palmieri zusammen. Diese Kontinuität zahlt sich aus. 25 Tennisprofis, die in Basel spielten, schafften bisher den Sprung an die Spitze der Weltrangliste, einzig der Australier John Newcombe spielte nie in Basel. Und in diesem Jahr hat Brennwald auch das Glück des Tüchtigen, von Absagen blieb er weitgehend verschont. Stiegen in den vergangenen Jahren mit Andy Murray und Nadal zwei Topspieler kurzfristig aus, so musste in diesem Jahr von den ganz grossen Namen nur Titelverteidiger Juan Martin Del Potro absagen. Und das mit Ansage. Der Argentinier hoffte, nach seiner Handgelenksoperation in Basel wieder ins Geschäft einsteigen zu können.

Dafür ist Nadal da. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal als eine grosse Nummer. Bei seinem letzten Auftritt war der Spanier noch ein 18-jähriger Jüngling. Inzwischen bildet er den grossen Kontrast zu Roger Federer, dem eleganten Tenniskünstler, dem die Herzen der Ästheten zufliegen, während Rafael Nadal die andere Seite vertritt: den nie aufgebenden Kämpfer, der fast ebenso erfolgreich ist wie Federer. Gerade bei Kindern und in Südamerika geniesst der Spanier grosse Sympathien.

Ein Final zwischen Federer und Nadal, davon träumen natürlich alle Tennisfans. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Schon zehnmal stand Federer bei seinem Heimturnier im Final, die Hälfte davon hat er gewonnen. Er kommt mit dem Selbstbewusstsein des Turniersiegers von Schanghai. Zuletzt trainierte er aber auf Sand, im Hinblick auf den Davis-Cup-Final in Frankreich. Wie ernst dieses Training war, bleibt abzuwarten. Immerhin glückte es ihm, die Franzosen nervös zu machen, als sie die Fotos sahen, die er davon veröffentlichte.

Nadal ist kein Hallenspezialist, hat erst zwei Turniere gewonnen, 2005 in Madrid auf Hartplatz und 2013 in São Paulo auf Sand. Offen ist auch, wie fit ist er. Zuletzt litt Nadal unter einer Blinddarmentzündung, die sogar seinen Start in Basel fraglich machte.

Brennwald freut sich aber nicht nur auf seine beiden Superstars. Die Konstellation mit Wawrinka einen zweiten Schweizer als Nummer vier der Welt zu präsentieren, bezeichnet er als einmalig. Allerdings kassierte der Romand in Asien zwei Erstrundenniederlagen und hatte in Basel immer Schwierigkeiten. Bei ihm dürfte vieles eine Frage des Kopfes sein, schon oft wollte er es zu gut machen und verkrampfte. Im Halbfinal könnte es zum Duell der Schweizer kommen.

Während die Topcracks Federer, Nadal und Wawrinka ihr Ticket für die World Tour Finals der besten acht Profis bereits in der Tasche haben, können Milos Raonic und Grigor Dimitrov wertvolle Punkte auf dem Weg nach London sammeln. Entsprechend motiviert dürften sie ans Werk gehen.

Brennwald bleibt aber auch in diesem Jahr seinem Grundsatz treu, in Basel sind neben den grossen Stars auch deren mögliche Nachfolger zu bewundern. Schon oft zahlte sich aus, dass er einem Talent mit einer Wildcard einen Auftritt auf der grossen Bühne ermöglichte und der Spieler es zurückzahlte und später zu vernünftigen Konditionen wieder kam. Nadal ist nur ein Beispiel dafür. Keine Wildcard mehr benötigt der Österreicher Dominic Thiem. Der 21-Jährige ist bereits die Nummer 38 der Welt und bringt schon einige Erfahrung mit. Die fehlt den beiden 17-Jährigen noch: Der Deutsche Alexander Zverev ist die Weltnummer 136, der Kroate Borna Coric die 122. Gerne hätte Brennwald einen jungen Schweizer berücksichtigt, doch im Moment ist kein Talent in Sicht, das auch nur annähernd einmal in die Fussstapfen von Federer und Wawrinka treten könnte.

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