An Länderspiel-Wochenenden wie diesem richtet die Sportberichterstattung ihren Fokus auf die Nationalmannschaft, was den Super-League-Klubs ein paar Tage mediale Ruhe beschert. Das wird vor allem die Grasshoppers gefreut haben, die wegen der Begnadigung von Vero Salatic harte Kritik einstecken mussten. Wir erinnern uns: Während Wochen war der ehemalige GC-Captain Salatic vom Team suspendiert. Es sah so aus, als würde der Mittelfeldspieler nie mehr für die Blauweissen auflaufen. Dann kam die überraschende Wende. Die Klubleitung meldete, Salatic sei ab sofort wieder in die Mannschaft integriert.

Nach dieser Nachricht haben praktisch alle Schweizer Medien darauf hingewiesen, dass das Ende der Affäre Salatic höchst problematisch sei. GC-Trainer Skibbe verliere seine Glaubwürdigkeit, hiess es allenthalben. Salatic habe den Machtkampf gewonnen, das sei ein fatales Zeichen für künftige Auseinandersetzungen zwischen Spielern und Klubs, wurde landauf und landab in seltener Einhelligkeit kommentiert.

Dabei gäbe es auch eine andere, viel positivere Bewertungsmöglichkeit dieses Falls. Man könnte GC-Präsident Anliker dafür rühmen, dass er ein fast unlösbar scheinendes Problem auf die natürlichste Art der Welt gelöst hat, nämlich durch den Dialog. In einem Augenblick, in dem es aussah, als sei die Kommunikation zwischen dem ausgeschlossenen Star und dem Verein nicht mehr möglich, hat der Präsident mit den zerstrittenen Parteien geredet und sie dazu gebracht, sich wieder zu versöhnen. Alle Beteiligten sind über ihren Schatten gesprungen und haben sich zum Wohl des Klubs zusammengerauft. Statt Trainer Skibbe nun vorzuwerfen, er habe seine Autorität aufs Spiel gesetzt, könnte man auch seine Bereitschaft zum Verzeihen loben.

GC-Präsident Stephan Anliker ist Architekt in Langenthal. Neben seinem Amt in Zürich präsidiert er auch den NLB-Eishockeyklub SC Langenthal. Anliker ist nicht der Typ, der durch grosse Worte Schlagzeilen macht. Viel eher ist er einer, der – geprägt durch die Normalität seiner Herkunftsregion – pragmatische Lösungen sucht und findet. Wer das Ende der Salatic-Krise in den Medien verfolgt hat, kann zum Schluss kommen, manche Sportkommentatoren seien ein bisschen enttäuscht darüber, dass sich Probleme zuweilen so unspektakulär lösen lassen. In Langenthal funktionieren die Dinge meistens so, in Zürich nun hoffentlich auch.

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