Es ist absurd: Weil der FC Sion unzulässige Spieler aufgestellt hatte, kann der FCB nun vielleicht nicht in der Champions League spielen. Brillant hatte der FC Basel gespielt und die Fussballherzen begeistert. Trainer Heiko Vogel ist unumstritten und beliebt. Die Sympathien für den FCB sind so zahlreich wie schon lange nicht mehr.

Der Traum könnte aber bald zu Ende sein: Gestern setzte die Fifa dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) ein Ultimatum: Bis zum 13. Januar muss er alle Partien, in welchen der FC Sion die nicht qualifizierten sechs Spieler eingesetzt hatte, forfait verloren werten oder je 3 Punkte abziehen. Tut er das nicht, sei der SFV ab dem 14. Januar nicht mehr Mitglied der Fifa. Das bedeutet: kein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft gegen Argentinien am 29. Februar. Keine Champions League für Bernhard Heuslers FCB. Was sich die Basler auf dem Rasen erspielten, wäre wegen Querelen um Transfers im Wallis vergebens gewesen. Die Drohung eines Rauswurfs ist eine drastische Massnahme und bisher einzigartig.

«Die Drohung ist ernst gemeint», sagt dazu der Präsident der Swiss Football League (SFL), Heinrich Schifferle, «das Risiko einer Umsetzung ist hoch». Übers Wochenende arbeite man mit «Volldampf» an einer Lösung und prüfe die Möglichkeiten, die der SFV noch habe. «Unsere grosse Sorge ist die Teilnahme des FC Basel an der Champions League», sagt er. Es ist klar: Eine Lösung muss her, mit allen Mitteln. Das mögliche Fussballwunder von Basel soll stattfinden können. Muss der SFV der Fifa zuletzt mit Punkteabzügen oder Forfait-Niederlagen für den FC Sion entgegenkommen? «Dazu möchte ich lieber nichts sagen», so Schifferle. Er aber sei zuversichtlich, dass man eine Lösung finden werde.

Die Situation ist völlig verfahren. Involviert sind die eigenen Sport-Gerichte der Fifa, der Uefa, der Swiss Football League (SFL), aber auch das Kantonsgericht Waadt und der Internationale Sportsgerichtshof in Lausanne. Es geht darum, ob der FC Sion Spieler einsetzen durfte, die er während einer von der Fifa kassierten Transfersperre verpflichtet hatte. Am 8. Dezember entschied die Disziplinarkommission der SFL, dass der FC Sion seine Punkte aus den fraglichen Spielen behalten darf.

Die Urteilsbegründung ist noch nicht bekannt. Vermutet wird, dass die Kommission so entschied, weil die Spieler durch ein Versehen offiziell lizenziert wurden. Am 15. Dezember entschied das Schiedsgericht des Internationalen Sportgerichtshofs in Lausanne, dass der FC Sion definitiv aus der Europa League draussen bleibt. Das reichte der Fifa offenbar, um zu handeln. Das Exekutivkomitee hatte gestern in Tokio getagt. Um 5 Uhr morgens erreichte das Communiqué mit der Ausschlussdrohung die Schweiz.

Innert weniger Stunden besammelten sich SFV-Präsident Peter Gilliéron, Generalsekretär Alex Miescher und weitere Funktionäre im «Haus des Fussballs» in Muri bei Bern. Gilliéron verteidigte den Entscheid der Disziplinarkommission. «Das ist ein unabhängiges Organ. Wir können darauf keinen Einfluss nehmen», sagte er. Man suche nun das Gespräch.

Der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, blies gestern Nachmittag sofort zum Gegenangriff. «Ich bin nicht überrascht über den Entscheid. Die Fifa hat viele Fehler gemacht und lässt dafür nun die anderen zahlen», sagte er. Er will gegen die Fifa Strafanzeige wegen Nötigung einreichen. Fifa-Präsident Blatter solle sich vor einem Staatsanwalt verantworten.

Die einzigen, die sich über die Situation freuen, sind die Briten. Im Laufe des gestrigen Nachmittags keimten bei den englischen Fans die ersten Hoffnungen: Basel raus, Manchester United wieder drin? Das Gerücht machte auf Twitter blitzschnell die Runde.

Der Ausgang ist aber völlig unklar. Für eine juristische Lösung könnte die Zeit zu knapp sein. Zu viele komplexe Fragen sind noch offen, einige Verfahren laufen noch. Also muss der SFV der Fifa wohl so weit entgegenkommen, dass diese sich zufrieden gibt. Wertet der Verband die Spiele des FC Sion aber als forfait verloren, so stellt er sich gegen die eigene Disziplinarkommission.

Obwohl Constantin am Anfang des juristischen Hickhacks steht: Bis zum 13. Januar ist er nur Statist. Den Streit ficht nun die ganze Fussball-Schweiz mit der Fifa aus. Basel-Vizepräsident Heusler kann ebenfalls nur hoffen. Er sagt: «Wir sitzen hinten im Auto und hoffen, dass es keinen Unfall gibt – im Wissen, dass wir die ersten Opfer wären.»

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