VON PIRMIN KRAMER

Seit Tagen sorgen die Bestechungsvorwürfe an den Weltfussballverband Fifa für Schlagzeilen. Ein bekannter Schweizer kann sich darüber freuen: PR-Berater Sacha Wigdorovits, der so unterschiedliche Kunden wie den britischen Hedge Fund Laxey, Ex-UBS-Präsident Peter Kurer und Jet-Set-Millionärssohn Carl Hirschmann berät.

Denn Wigdorovits hat ein neues Mandat: Er vertritt die US-Bewerbung für die Fussball-WM 2022 als Medienverantwortlicher in Europa, wie er gegenüber dem «Sonntag» bestätigt. Und die Chancen, dass die Weltmeisterschaft dann in Amerika stattfinden wird, sind nach den Turbulenzen der letzten Tage grösser denn je.

Warum? Als Hauptkonkurrent der US-Kandidatur galt bis jetzt England. Dass es nun aber ausgerechnet eine britische Zeitung war, welche die Fifa-Führung in Zürich in die Bredouille bringt, wird sich kontraproduktiv auf diese Bewerbung auswirken. Die Online-Ausgabe der deutschen Zeitung «Die Welt» prognostiziert bereits, dass der Bestechungsskandal England «die WM kosten dürfte».

PR-Profi Wigdorovits hält sich dazu vornehm zurück. «Wir vom US-Bewerbungskomitee möchten uns nicht äussern zum Korruptionsskandal. Das ist einzig und allein Sache der Fifa.» Journalisten der britischen Sonntagszeitung «Sunday Times» hatten sich als Funktionäre der USA ausgegeben. Bei Treffen mit Fifa-Offiziellen versuchten sie, deren Stimmen für eine WM-Ausrichtung zu kaufen. Die Fifa-Mitglieder zeigten sich für die Geldangebote empfänglich.

Die britischen Reporter haben ihrem Land damit einen Bärendienst erwiesen. Die Fifa-Exekutivmitglieder, die am 2. Dezember in Zürich entscheiden, wo die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 stattfinden, werden England wohl nicht verzeihen, ihre Organisation in ein schlechtes Licht gerückt zu haben. Das kommt vor allem den USA zugute. Denn die Chancen, dass die Fifa zwei Turniere hintereinander an Länder vergibt, wo englisch gesprochen wird, sind eher klein.

Wigdorovits, einst «Blick»-Chefredaktor, konnte sich auch gestern wieder freuen: Russland hat seine Bewerbung für das Jahr 2022 zurückgezogen und konzentriert sich voll auf die WM 2018. Damit fällt ein ernstzunehmender Konkurrent der USA weg. Chancen darf sich allenfalls noch Australien ausrechnen – Ozeanien verbleibt der einzige Kontinent, auf dem noch nie ein WM-Turnier stattgefunden hat.

Wigdorovits sagt, es gebe viele Gründe, die Weltmeisterschaft 2022 an die USA zu vergeben. «Die Infrastruktur ist schon vorhanden, die Stadien müssen nicht extra gebaut werden. Zudem ist der US-Markt riesig und Fussball hat in den USA inzwischen einen enorm grossen Stellenwert erreicht.»

Wie kam er als Schweizer überhaupt dazu, sich für die Bewerbung der USA einzusetzen? Wigdorovits hat vier Jahre in den USA gelebt, von 1990 bis 1993 und in den Jahren 1997 und 1998.

Sein Mandat wurde ihm von John Kristick, dem stellvertretenden Chef der U.S. Bid Committee Inc., erteilt. Dieser war früher während Jahren in der Schweiz für Infront Sports & Media in Zug tätig gewesen, für die Wigdorovits’ Contract Media damals als Beraterin arbeitete. Das Mandat läuft bis zum 2. Dezember, dem Tag der WM-Vergabe.

Zahlreiche prominente Amerikaner unterstützen die Bewerbung ihres Fussballverbandes: Präsident Barack Obama, Ex-Aussenminister Henry Kissinger, der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg.

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