Fussballliebhaber meiner Generation, die Platini für Frankreich oder Juventus Turin haben spielen sehen, können Maradonas Sätze nur bestätigen. Platini, der meist mit heruntergerollten Stulpen spielte, konnte am Ball fast alles. Er war dynamisch, intelligent, torgefährlich, strategisch und sehr schnell. Aber er zeigte keine Emotionen. Fast immer hatte man bei ihm das Gefühl, er verrichte eine Arbeit, die ihm gar nicht besonders gefällt. Als Uefa-Präsident sitzt er bei wichtigen Spielen oft mit versteinerter Mimik auf irgendeiner Tribüne. Zuweilen übergibt er einen Pokal. Dann klopft er den vorbeigehenden Spielern auf die Schulter, ohne eine Miene zu verziehen. Platini ist, um erneut Maradonas Worte aufzunehmen, immer noch kalt, zu kalt. Zurzeit schreibt die Weltpresse darüber, dass gegen den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Dabei gehe es um 2 Millionen Franken, welche die Fifa an Platini für Beraterdienste in den Jahren 1999 bis 2002 überwiesen haben soll. Platini habe das Geld 2011 erhalten. Nun musste er deswegen als Zeuge vor der Bundesanwaltschaft aussagen. Gegenüber Medien sagte Platini, es sei ihm «eine Freude gewesen, mit Behörden kooperieren zu können und zur Klärung des Falles beizutragen».

Noch wissen wir nicht, ob Blatter verurteilt wird. Ebenso wenig wissen wir, ob die vielen Korruptionsvorwürfe gegen Platini zu einer Anklage führen. Immerhin durften wir endlich erfahren, was dem unterkühlten Franzosen Freude macht. Es war offensichtlich nicht das Fussballspielen auf höchstem Niveau. Es war auch nicht die verspätete, aber üppige Lohnzahlung für alte Beratertätigkeiten. Nein, wenn Platini in seinem Leben bisher an irgendetwas Freude gehabt hat, dann ist es die gegenwärtige Zusammenarbeit mit den Strafbehörden. Immerhin, alter Kämpfer, immerhin.

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