Sieger. Nicht Zweiter. Um 22.36 Uhr steigt Bayern München auf den Thron von Europa. Xherdan Shaqiri springt seinem Trainer Jupp Heynckes um den Hals. Alle Dämme brechen. Bayern tanzt! Dortmund heult.

Wenige Augenblicke zuvor, es läuft die 89. Minute. Arjen Robben rauscht in den Strafraum als wäre er eine holländische Version des TGV, er übernimmt den Ball von Franck Ribéry, er steht vor dem Tor, er schiebt den Ball vorbei an Roman Weidenfeller, vorbei ins Tor. 2:1. Die Entscheidung.

Bayern München gewinnt nach 2001 zum zweiten Mal die Champions League. Mit den Siegen 1974, 75 und 76 im Europapokal der Landesmeister bedeutet das: Zum fünften Mal Champions des europäischen Fussballs.

Ausgerechnet Arjen Robben. Auch er steht am Ursprung dieses Dramas in der letzten Saison, das die Bayern so sehnlichst vergessen wollten. Vor einem Jahr, im «Finale Dahoam» gegen Chelsea, verschiesst er in der Verlängerung einen Elfmeter. Bayern verliert im Penaltyschiessen. Stürzt ins Tal der Tränen. Wird zu den Vize-Bayern. Drei Mal Zweiter. In der Meisterschaft und im Pokal steht ihnen Dortmund vor der Sonne.

Sieger. Nicht Zweiter. Jetzt ist alles anders. Die Bayern sind Meister. Und Champions-League-Sieger. Und am Ursprung dieses Triumphes stehen auch die Niederlagen der letzten Saison. Die Bayern sind gereift. Sind zu einer unaufhaltbaren Maschine geworden.

Als Bayern am Boden lag, schrieb Thomas Müller seinen Teamkollegen ein SMS: «Wir holen diesen Pott! Irgendwann.» Jetzt ist der Traum wahr geworden. Im dritten Final innert vier Jahren folgte die Krönung einer herausragenden Saison. Um 22.55 Uhr stemmt Captain Philipp Lahm den «Henkelpott».
Das Trauma ist besiegt. Und jetzt lockt als Dessert das Triple. Als erster deutscher Verein. Am nächsten Samstag werden die Bayern im DFB-Pokalfinale Stuttgart verspeisen.

Für einen ist es ein ganz besonders süsser Triumph. Jupp Heynckes. Er ist der vierte Trainer, der die Champions League (respektive den Europapokal der Landesmeister) mit zwei verschiedenen Teams gewinnt, nach Ernst Happel, Ottmar Hitzfeld und José Mourinho.

Um 20.45 Uhr geht das spiel los. Endlich Fussball! Endlich Spielzüge! Endlich Tore! Was wurde alles geschrieben und gesendet im Vorfeld. Über den Zahnarzttermin des Noch-Dortmunder und Bald-Münchner Mario Götze. Über James Bond (BVB-Trainer Klopp: «Es ist wie bei 007: Dortmund ist der gute Kämpfer, Bayern der Schurke»). Oder über die Psyche von Pep Guardiola, des nächsten Bayern-Übungsleiters.

Und wie es los geht! 20 Minuten erinnert nur Gelb-Schwarz an eine Maschinerie. Aber ohne Torerfolg. Bayern wird dann stärker – unmittelbar nachdem Ribéry ungestraft den Ellbogen gegen Lewandowski ausfährt. Noch vergibt Robben seine Chancen.

Die Bayern-Führung kommt in der 60. Minute. Mario Mandzukic drückt den Ball über die Linie. Vorarbeit? Klar, Arjen Robben! Aber Dortmund ist noch nicht geschlagen. Illkay Gündogan gleicht per Penalty aus.

Aber die Bayern nehmen weiter Risiko. Auch, als die Verlängerung unvermeidbar scheint. Nichts kann sie schlagen. Nicht an diesem Abend. Dann kommt Robben. Sieger! Nicht Zweiter!

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