So hatte man sich das vorgestellt. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft entledigte sich ihrer ersten Pflichtaufgabe auf souveräne Art und Weise. Der 5:1-Sieg gegen Aufsteiger Kasachstan war nie gefährdet und stand schon nach 40 Minuten fest. Es waren quasi drei Punkte aus dem Wunschkatalog. Der klare Erfolg zum WM-Auftakt kostete die Equipe von Nationaltrainer Sean Simpson keine Nerven, dank der frühen Entscheidung weniger Energie und er war gut für das Selbstvertrauen. Letztmals hatte vor sieben Jahren eine Schweizer Mannschaft ein WM-Startspiel deutlicher gewonnen. 2004 wurden die Franzosen damals in Prag mit 6:0 vom Eis gefegt.

Der wahre Test erfolgt allerdings erst heute Abend. Gewinnen die Schweizer ihr zweites Vorrundenspiel gegen Weissrussland nicht, dann sind die drei Punkte aus dem Kasachstan-Spiel kaum etwas wert. Denn bei aller Zufriedenheit über den gelungenen Start muss man auch festhalten: Die Asiaten werden, spielen sie auf diese Art und Weise weiter, an diesem WM-Turnier nicht viele Punkte sammeln. Das soll die solide Leistung der Schweizer allerdings nicht schmälern. Der Start war zwar etwas durchwachsen, doch nach Ivo Rüthemanns (glücklichem) Treffer zum 1:0 und dem kurz darauffolgenden 2:0 von Mark Streit – nach herrlicher Kombination im Powerplay – war die Partie eigentlich schon entschieden. Danach spielten nur noch die Schweizer, obwohl den Kasachen zwischenzeitlich der Anschlusstreffer zum 1:2 gelang. Streit und Rüthemann sorgten mit ihren jeweils zweiten Toren für die Entscheidung, Félicien DuBois sorgte mit einem frechen Solo schon in der 37. Minute für den Endstand.

Die beiden Routiniers gehörten gestern zu den auffälligsten Akteuren der Schweizer. Gute Noten verdienten sich auch Roman Wick und WM-Neuling Denis Hollenstein (2 Assists). Weniger überzeugend agiert Damien Brunner. Der NLA-Topskorer versuchte krampfhaft, sein erstes Tor zu erzielen, und schoss aus allen Lagen, aber selten überlegt. Der Zuger hatte zudem Glück, dass er sich bei einem Sturz in die Bande nicht schwerwiegend verletzte. Dasselbe gilt für Andres Ambühl: Der Center der ZSC Lions wurde Opfer eines Kniechecks,der glücklicherweise ohne Konsequenzen blieb.

Torhüter Reto Berra hatte bei seinem WM-Debüt nur 20 Schüsse abzuwehren, blieb aber trotz latenter Unterbeschäftigung immer konzentriert und zeigte die eine oder andere wichtige Parade, als seine Vorderleute angesichts des klaren Spielstands dem Leichtsinn anheimfielen. «Es ist immer schwierig, angesichts einer so hohen Führung nicht unkonzentriert zu spielen. Das ist uns aber bis zum Schluss grösstenteils gelungen. Wir haben allerdings zwischendurch blöde Fehler gemacht, die wir gegen die Weissrussen abstellen müssen», mahnte Captain Mark Streit.

Man war sich im Lager der Schweizer jedenfalls bewusst, dass man den Sieg gegen die Kasachen so schnell wie möglich abhaken und sich sofort auf die Aufgabe Weissrussland konzentrieren muss. «Sie sind gut organisiert, sind schnell, kämpfen und haben herausragende Spieler wie Michail Grabowski. Sie haben bei der 0:1-Niederlage gegen Finnland sehr gut gespielt. Wir müssen die Fehler in unserer eigenen Zone reduzieren», betonte Sean Simpson, der selbst einst Assistenztrainer der weissrussischen Auswahl gewesen ist. Die Schweizer werden mit Ausnahme des Goalies heute Abend mit derselben Aufstellung wie im ersten Spiel antreten. Tobias Stephan wird Reto Berra im Schweizer Tor ersetzen.

Simpson hat mittlerweile 23 seiner 25 Kaderplätze vergeben. Nun streiten sich also noch vier Kandidaten um die zwei letzten Slots im Schweizer Kontingent: Thibaut Monnet, Michael Liniger, der angeschlagene Julien Sprunger und der noch in den NHL-Playoffs engagierte Roman Josi. Dessen Nashville Predators sind in der Serie gegen die Phoenix Coyotes mit 1:3 ins Hintertreffen geraten, weshalb eine WM-Teilnahme des Verteidigers noch möglich sein könnte. Es wäre ein weiterer Punkt im Schweizer Wunschkatalog.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!