Nach langen Wochen des Wartens rollt der Ball in der Schweiz wieder. Nach unzähligen Testspielen ohne Aussagekraft geht es endlich wieder um Tore und Punkte. Und es geht darum, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Vor allem für jene, die den Liga-Krösus aus Basel vom Thron stossen wollen.

Was dürfen die Zuschauer von einem Auftaktwochenende erwarten? Für die Teams ist es ein bisschen wie für liebeshungrige Menschen beim Speedflirting. Beim Speedflirting trifft ein Single auf einen anderen – die beiden haben genau acht Minuten Zeit, um sich kennen zu lernen und das Gegenüber zu beeindrucken. Nur wenn beide einander wiedersehen möchten, wird der Kontakt vermittelt.

Nun, ein einziges Spiel kann natürlich noch keinen definitiven Aufschluss darüber geben, wie stark eine Mannschaft über die ganze Saison ist. Aber eben, es kann eine verheissungsvolle Premiere sein, die Lust auf mehr macht.

Das Fazit nach dem gestrigen Samstag ist einigermassen ernüchternd. Weder YB, dem FCZ noch Sion ist dies gelungen. Zürcher und Berner trennten sich in einem über weite Strecken enttäuschenden Spiel 1:1. Sion schaffte in Luzern das Kunststück, nach einer 2:0-Führung in der Nachspielzeit noch zwei Tore zu kassieren!

Als YB-Trainer Uli Forte und FCZ-Chef Urs Meier am späten Abend in Zürich zur Aufarbeitung schritten, da hätte ihre Gemütslage kaum unterschiedlicher sein können. Forte sagte: «Wir standen lange völlig neben den Schuhen. Das war kein guter Auftritt, das Beste ist das Resultat.»

Meier dagegen lobte sein Team: «Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir waren ballsicher, variabel und haben viele Chancen kreiert. Mit der Leistung bin ich sehr zufrieden. Mit dem Resultat nicht.»

In der Tat musste Forte der Auftritt seiner Young Boys zu denken geben. Ausser dem Tor von Hoarau tauchten die Berner kaum je gefährlich vor dem Tor auf. Dem Mittelfeld um Gajic und dem überforderten Bertone gelang es nie, das Spiel in den Griff zu kriegen, geschweige denn anzukurbeln. Aber auch von den Flügeln Steffen und Sulejmani kam zu wenig. Ex-FCZ-Spieler Loris Benito fehlte noch wegen einer Verletzung.

Beim FCZ gab Cabral ein sehr ordentliches Debüt. Er war stets präsent und sofort Chef der Zürcher. In der Offensive rackerte Chiumiento sehr viel. Kein Zufall, dass er am Ursprung des 1:1 von Koch stand. Der Verteidiger rehabilitierte sich damit für seine Zuschauerrolle beim Gegentor. Wobei es durchaus Angenehmeres gibt als gegen Hoarau in der Luft zu verteidigen. Ärgern muss sich der FCZ über einige ungenutzte Chancen. Die grösste vergab Chermiti alleine vor dem starken YB-Torhüter Mvogo.

Das erste Spiel der Saison fand am späten Nachmittag in Luzern statt. Cupsieger Sion strebte einem souveränen Auftaktsieg entgegen, Konaté und Assifuah schossen die Tore zum 2:0. Dann kam die Nachspielzeit – und plötzlich war alles anders. Mit einem Eigentor leitete Elsad Zverotic die hektische Schlussphase ein. In der 93. Minute gelang Marco Schneuwly tatsächlich noch der Ausgleich.

Ausgerechnet Schneuwly, der in den letzten Tagen ungewollt im Mittelpunkt stand. Sion-Präsident Christian Constantin ködert den Stürmer mit einem lukrativen Sechsjahresvertrag. Worüber Luzern-Sportchef Rolf Fringer ziemlich erbost ist. In der Pause setzte er vor den TV-Mikrofonen zur ersten Wutrede der Saison an: «Das Vorgehen war eine Sauerei! Man kann jedem Menschen den Kopf verdrehen. Aber man muss sich an Regeln halten. Wenn man einen Spieler kaufen will, wendet man sich zuerst an den Verein. Hier ist es völlig anders gelaufen. Aber wir wissen ja, wie das seit Jahren läuft.»

Und Sion? Es dauerte nicht lange bis zu den ersten hämischen Kommentaren. FCB-Legende Scott Chipperfield fragte via Twitter: «Wer übernimmt bei Sion Verantwortung? Wo ist das Sieger-Gen? Basel züchtet Siegertypen, Sion bezahlt einfach Spieler – der Unterschied dürfte jedem klar sein.»

Wars das? Fast. Das grösste Spektakel gestern fand in der Challenge League statt. Lausanne lag gegen Biel nach 75 Minuten 1:4 zurück – und gewann dank vier Toren in zehn Minuten noch 5:4.

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