Nach zwei wenig aussagekräftigen Trainings wegen Neuschnee und Wind auf der vergleichsweise leichten Piste von Lake Louise war die Ungewissheit der Abfahrer vor dem ersten Wettkampf gross. Obwohl in beiden Trainings ungewohnt weit zurück, kam Cuche am besten mit der Situation zurecht. «Im Abschlusstraining verlor ich zwar über zwei Sekunden. Doch auf dem unteren Streckenteil, der mir eigentlich nicht so liegt, verlor ich fast nichts. Oben war es der Wind. Zu denken gab mir eher das erste Training. Doch in Absprache mit meinem Servicemann und meinem Schuh-Servicemann fand ich ein verbessertes Set-up, welches mir ein besseres Gleiten ermöglichte. Dazu hatte ich auch noch Bomben-Ski unter den Füssen», erklärte Cuche.

Der Abfahrts-Disziplinensieger und WM-Zweite von letzter Saison zeigte sich «wie vor zwei Jahren, als ich hier das erste Mal gewinnen konnte, wahnsinnig überrascht. Als ich ins Ziel kam und sah, dass ich über sechs Zehntel Vorsprung hatte, konnte ich unter dem Helm nur lachen. Es kam für mich so überraschend und ist einfach unglaublich.» Cuche durfte mit seinem zehnten Abfahrts-Weltcupsieg, womit er in dieser Disziplin mit Pirmin Zurbriggen gleichzog, ein kleines Jubiläum feiern.

Dank Feuz kam Swiss Ski zum ersten Doppelerfolg in der Abfahrt seit Anfang Dezember 2009. Damals, in Beaver Creek, gewann Carlo Janka vor Didier Cuche. Feuz stand zum dritten Mal in den letzten vier Abfahrten auf dem Podest. Zuvor hatte er im Frühjahr in Kvitfjell, wo dem Super-Talent auf oberster Stufe der Durchbruch gelungen war, mit je einem Sieg und 3. Platz für Aufsehen gesorgt. «Ich ärgere mich überhaupt nicht über den knapp entgangenen Sieg, dazu habe ich in Lake Louise schon viel zu viel erlebt.

Ausserdem hat ja mit Didier dennoch ein Schweizer gewonnen. Das ist doch schön», sagte der 24-jährige Berner. Das Ski-Resort in den kanadischen Rocky Mountains hat Feuz bisher tatsächlich nicht nur Glück gebracht. In zwei von vier Einsätzen zog er sich hier eine Knieverletzung zu. «Das hat mich allerdings nicht gross gekümmert. Ich habe vor dem Start sogar noch mit einem österreichischen Kollegen darüber Spässchen gemacht», erklärte Feuz.

Hinter Cuche und Feuz klaffte aus Schweizer Sicht eine grosse Lücke. Als nächstbester Swiss-Ski-Abfahrer klassierte sich Ambrosi Hoffmann im 17. Rang; 1,41 Sekunden zurück. Marc Gisin verlor vier Hundertstel mehr und wurde 20. Der 34-jährige Davoser wie der 23-jährige Engelberger durften mit ihren Leistungen zufrieden sein. Herbe Enttäuschungen setzte es hingegen für Carlos Janka als 28. und Silvan Zurbriggen als 29. ab, die beide mehr als 1,61 Sekunden auf Landsmann Cuche einbüssten.

Janka, dem wegen seines lädierten Rückens im Vergleich mit der Konkurrenz viele Trainingskilometer fehlen, verlor schon in den ersten 30 Sekunden viel Zeit. «Mit dem Rücken gings gut. Klar lief nicht alles top, ein, zwei Fehler hatte ich schon. Doch mir ist unerklärlich, wo ich so viel Zeit eingebüsst habe», so der enttäuschte Bündner. Ähnliches widerfuhr Zurbriggen, der letzte Saison in Lake Louise als Vierter bester Schweizer gewesen war. «Ich bin enttäuscht. Ich habe von oben bis unten kontinuierlich Zeit verloren. Das muss ich zuerst noch einmal analysieren», sagte der Walliser.

Für Didier Défago auf Platz 48 gab es bei seinem Speed-Comeback im Weltcup keine Punkte. Der Abfahrts-Olympiasieger von Vancouver bestritt seine erste Abfahrt seit seinem Kreuzbandriss im September 2010. «Zwar gebe ich mir Zeit bis Ende Jahr, bis ich eine erste Bilanz ziehen werde. Ich weiss, dass ich geduldig sein muss. Dennoch habe ich mir von dieser ersten Abfahrt schon etwas mehr erhofft», gab Défago zu. Mit Tobias Grünenfelder als 39., Patrick Küng als 43. und Vitus Lüönd als 50. verpassten drei weitere Schweizer die Top 30 klar.

Die Österreicher, die schon in den zwei Trainings überzeugt hatten, klassierten sich in der ersten Abfahrt ohne ihren zurückgetretenen Routinier Michael Walchhofer gleich mit fünf Fahrern in den Top 10. Am meisten überraschte dabei Hannes Reichelt. Der 31-jährige Salzburger sorgte mit der hohen Startnummer 45 dafür, dass die Spitzenfahrer nochmals zittern mussten. Reichelt, der in der schnellsten Weltcup-Disziplin noch nie besser als Zehnter war, kam noch bis auf acht Hundertstel an Cuche heran. «Leidtragender» seines Exploits war Landsmann Romed Baumann, der dadurch auf den 4. Platz zurückfiel. Neben dem neuen Teamleader Klaus Kröll überzeugten auch Joachim Puchner als 8. und Georg Streitberger auf Platz 10.

Am Sonntag 27.11 folgt in Lake Louise noch ein Super-G. Start zum Rennen ist um 19.00 Uhr Schweizer Zeit.

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