Die beste Juniorin der Welt bewies auch in Wimbledon ihre Klasse. Vor rund 11 000 Zuschauern auf Court 1 – der zweitgrösste Platz war praktisch ausverkauft – liess sich die Ostschweizerin vom Blitzstart ihrer Gegnerin nur kurz überraschen. «Ich war beeindruckt von dieser Kulisse, das hatte ich nicht erwartet», sagte Bencic. Die Amerikanerin dagegen legte los wie die Feuerwehr. Die 17-Jährige knallte die Bälle nicht nur mit grosser Wucht übers Netz, immer wieder punktete sie auch mit gefühlvollen Volleys. Fehlerlos spielte die Linkshänderin, liess Bencic keine Chance. Schnell führte Townsend 4:0. Je länger die Partie dauerte, desto besser fand aber Bencic ins Spiel. Sie versuchte, ihre Gegnerin zum Laufen zu bringen. Und als ihr das gelang, stieg bei der 1,67 kleinen, übergewichtigen Townsend die Fehlerquote. Den Satz musste Bencic nach knapp einer Stunde trotzdem abgeben, weil sie nur einen von elf Breakbällen gewann.

Aber sie hatte der Amerikanerin zugesetzt. Townsend litt zusehends, Bencic gewann die Oberhand. Doch es war noch ein weiter Weg zum Sieg. Im dritten Satz drehte Townsend nochmals auf, führte mit Break. «Da war ich hässig auf mich», sagte Bencic. Aber sie kämpfte sich zurück. «Und ich bin sehr stolz, wie ich die Partie heimgebracht habe», sagte sie. Unglaublich sei es gewesen, wie die Leute sie vor dem letzten Game angefeuert hätten. Trotz des grossen Kampfes hatten beide Spielerinnen, die sich mögen, auch ihren Spass. Erstmals durften sie die Challenge benutzen. Und Bencic lachte herzlich, als sie beim ersten Versuch ganz knapp recht bekam.

Stolz darf Bencic auf das Double sein. Zuletzt gewann Amélie Mauresmo 1996 in Paris und Wimbledon, zwei Jahre zuvor hatte das Martina Hingis geschafft. «Stolz bin ich auch, dass ich die Schweizer Fahne hier hochhalten darf», sagte sie.

So freut sie sich sehr aufs Champions Dinner. «Als Siegerin dorthin zu gehen, das ist noch schöner als vor einem Jahr, ich darf nun auf die Bühne», betonte sie. Ausserdem ist nicht nur Vater Ivan dabei, wie in Paris, sondern auch Mutter Dana und Bruder Brian. Sie geniesse die Atmosphäre, den Auftritt in den Galakleidern. Vorsichtshalber hatte sie schon vor der Reise nach London ein Kleid eingepackt: «Aber vielleicht finde ich ja noch ein schöneres.

Belinda Bencic ist erst 16 Jahre alt, kann noch länger bei den Juniorinnen spielen. «Wie lange, weiss ich nicht, das US Open sicher, dann versuche ich mehr Turniere bei den Frauen zu bestreiten», erklärte sie. So wie in einer Woche in Bastad in Schweden, wo sie eine Wildcard erhalten hat. Siege wie in Wimbledon helfen, um eingeladen zu werden. Doch Bencic weiss, dass der Sprung nicht einfach wird: «Es ist ein gutes Gefühl die Nummer eins der Juniorinnen zu sein, aber darauf bilde ich mir gar nichts ein.»

Konsequent will sie ihren Weg weiter gehen. Sie trainiert mit Melanie Molitor, im Winter aber in Florida bei Chris Evert. Auch ihr Management hat sie inzwischen in professionelle Hände gegeben. Marcel Niederer, Geschäftsmann und Freund ihres Vaters hat das übernommen. Und sie arbeitet mit der Agentur Octagon zusammen.

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