Von Etienne Wuillemin und Sebastian Wendel

Es war im Oktober. FCB-Präsident Bernhard Heusler sieht sich Resultate des FC Luzern an. Er bemerkt: Immer wieder trifft Mahmoud Kahraba. Als Heusler Mohamed Salah über den Weg läuft, ruft er ihm zu: «Hast du gesehen, der FCL muss ja ein wahres Juwel gefunden haben in Ägypten.» Beide lachen herzhaft.

Das prächtigste ägyptische Juwel auf Schweizer Fussballplätzen heisst ohne Zweifel: Salah. Und nach dem erneuten Sieg gegen Chelsea stimmt England begeistert ein ins Loblied auf den erst 21-Jährigen. Kein Wunder, bei dieser Bilanz gegen englische Teams. Je ein Tor gegen Tottenham und Chelsea letzte Saison in der Europa League. Zwei Tore gegen Chelsea nun in der Champions League. Für 5 der 15 Treffer, die der FCB in dieser Saison international erzielte, war er verantwortlich. Es sind Werte, die staunen lassen. Und manchen englischen Beobachter fragen lassen: «Warum zum Teufel spielt Salah noch in der Schweiz?»

Die simple Antwort darauf gibt Sascha Empacher, Salahs Berater: «Solche Leute sehen sich seine Auftritte in der Super League wohl kaum von Woche zu Woche an.» Wie wahr. Häufig schwanken Salahs Leistungen – sogar innerhalb einzelner Spiele. Am Hype in der Heimat ändert das nichts. In Ägypten kann sich Salah kaum mehr frei bewegen. Das war noch anders, als er im Sommer 2012 nach Basel kam.

Die entscheidende Frage lautet nun: Soll der FCB Salah im Winter verkaufen? Das internationale Interesse am Ägypter ist so hoch wie noch nie. Verständlich, sind doch die Leistungen in der Champions League fast exklusiv ausschlaggebend für die internationale Beurteilung. «Wir wissen vom konkreten Interesse aus den europäischen Topligen – infrage kommen vier Klubs aus Deutschland, fünf aus England, zwei aus Frankreich und drei in Spanien», sagt Empacher.

Ein Transfer macht für Salah nur dann Sinn, wenn er bei einem absoluten Topklub regelmässig zum Einsatz kommt. Aber: Im Winter in ein funktionierendes Team zu kommen, ist tückisch. Das spricht eher dafür, mit einem Wechsel bis in den nächsten Sommer zu warten. Auch dem FCB käme das entgegen. «Es ist nicht vorgesehen, Salah im Winter zu verkaufen», sagt Sportdirektor Georg Heitz, «wir brauchen ihn – und wollen uns als Meister direkt für die nächste Champions League qualifizieren.»

Das Timing bei einem Transfer ist entscheidend – aber nicht nur für den Spieler. Der FC Zürich hat mit Yassine Chikhaoui die Erfahrung machen müssen, wie es ist, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Nach Chikhaouis überragenden Auftritten im Herbst 2007 lagen im Winter einige Angebote vor. «Chelsea wäre bereit gewesen, einen zweistelligen Millionenbetrag zu bezahlen», erinnert sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Zudem hatten einige Teams aus Russland und der Bundesliga starkes Interesse.

Der Hype um Chikhaoui zu dieser Zeit war grenzenlos. Der FCZ entschied sich indes gegen einen Verkauf. Natürlich konnte niemand Chikhaouis fatales Verletzungspech voraussehen. Doch ein lukrativer Verkauf ergab sich nicht mehr. Im nächsten Sommer läuft Chikhaouis Vertrag aus.

Zurück zum FCB. Wann auch immer Salah den Verein verlässt, für Präsident Heusler ist dies unerheblich. Er betont: «Wir verkaufen keine Ware! Sondern wir begleiten einen Menschen bei seinem nächsten Schritt in der Karriere.» Dann wird Heusler grundsätzlich: «Es wäre völlig falsch, einen Spieler in goldene Fesseln zu legen. Ein Spieler wie Salah kommt nur deswegen zum FCB, weil er weiss, dass Basel eine gute Plattform ist, um es in eine Top-Liga zu schaffen.»

Es ist eine sinnvolle Politik, die im Fussball-Business geschätzt wird. Salahs Agent Empacher sagt: «Ich kann jedem Welt-Talent nur empfehlen, als erste Station in Europa den FC Basel zu wählen.» Weil die Klubführung herausragend ist. Weil die Infrastruktur top ist. Und weil man sich in der Schweiz in Ruhe an Europa gewöhnen kann.

Wenn Alex Frei als Sportchef des FC Luzern betont, er wolle «Namen kreieren und nicht Namen einkaufen», dann tut der FCB im Prinzip genau dasselbe. Einfach auf viel höherem finanziellen Niveau. Einen Spieler wie Salah könnte sich in der Schweiz niemand sonst leisten. Der FCB bezahlte für ihn knapp drei Millionen Franken.

Rolf Müller ist der Agent von Fabian Schär. Er bezeichnet den FCB als «ideales Einkaufszentrum» für europäische Spitzenvereine. Weil heutzutage jeder in Europa weiss: Wer sich beim FCB durchsetzt, hat Qualität. «Das gilt nicht nur für Ausländer – sondern vor allem auch für junge Schweizer», sagt Müller.

Ein Grund dafür seien die Transfers von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka gewesen. «Die beiden bewiesen: Auch Schweizer können 10 oder 15 Millionen Wert sein.» Die Folge davon: Der Marktwert für Spieler wie Schär oder auch Torhüter Yann Sommer steigt kontinuierlich.

Wann auch immer der FCB die Spieler Salah, Schär und Sommer verkauft, er erhält genügend Geld, um auf Einkaufstour zu gehen. Denn die nächsten Juwelen stehen bereit.

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