«Die Marke GC ist nicht tot»

Ex-Swiss-Chef André Dosé (links) diskutiert vor der Partie angeregt mit Sion-Präsident Christian Constantin. Foto: Steffen Schmidt - Keystone

Ex-Swiss-Chef André Dosé (links) diskutiert vor der Partie angeregt mit Sion-Präsident Christian Constantin. Foto: Steffen Schmidt - Keystone

Der designierte Präsident André Dosé startet mit klaren Worten und Sinn für Realität ins neue Amt.


Solange es Leben gibt, kann sich etwas verändern. Deshalb hält der designierte Präsident des Grasshoppers-Club Zürich von Beginn an eines fest. «Die Marke GC ist nicht tot», sagt André Dosé während seines ersten offiziellen Auftrittes am Steuer des Rekordmeisters.

Der ehemalige CEO der Airline Swiss hatte vor drei Wochen die Anfrage durch den Owners Club, durch das Mehrheitsaktionariat von GC, erhalten. Dosé habe sich sein Engagement reichlich überlegt, sagte er an der Präsentation von Samstag im Letzigrund.

Der fussballbegeisterte Mann aus der Wirtschaft habe vor seiner Zusage viele Meinungen eingeholt, habe sein Netzwerk aus Ökonomie und Sport befragt und festgestellt, dass noch Leben da ist im einstigen Nobelklub. «Und das ist ein wichtiges Fundament», sagt Dosé.

Am Samstag hatte er seinen wohl wichtigsten Auftritt seit dem Jahr 2004, und seinem Rückzug aus der Führungsposition bei der Swiss. Zwei Jahre lang hatte er nach dem Grounding die neu gegründete Airline wieder aufgebaut. Die Meinungen über sein damaliges Rendement sind gespalten.

Einige attestieren ihm Erfolg, weil er trotz der angespannten Lage der Luftfahrt die Basis für den Erfolg der heutigen Gesellschaft gelegt habe. Andere wenden ein, dass die Swiss unter Dosé trotz milliardenschwerer Hilfe durch den Bund nicht richtig abhob.

Es gibt aber auch Eigenschaften an Dosé, die ihm niemand streitig gemacht hat: Seine Ernsthaftigkeit, seine Bescheidenheit, sein gutes Auftreten.

Dieses demonstrierte André Dosé auch am Samstag in Zürich, als er gelassen und trotzdem bestimmt in sein neustes Mandat startete. Aus seiner Zeit aus der Wirtschaft war bereits bekannt, dass Dosé kein Blender ist, der die Bodenhaftung verliert. Deshalb wehrte er sich sogleich gegen «vermessene» Vergleiche mit dem FC Basel, deshalb auch ging er nicht lange auf die Diskussionen zum immer noch fehlenden Fussballstadion in Zürich ein. Es sprach ein Mann, der zu wissen scheint, was er will. «Zuerst müssen wir unsere Probleme lösen.»

Davon hat GC genug. Das grösste beschrieb der anwesende Verwaltungsrat Stephan Anliker gleich eingangs der Medienkonferenz. «In einem grossen Klub reden viele Menschen mit», sagte der Präsident des SC Langenthal und aktueller CEO ad interim bei den Grasshoppers, «da gibt es Diskussionen, diese führen zu Auseinandersetzungen, diese zu Rissen, zu Löchern und schliesslich zu Indiskretionen.» Im Klub der einst für Klasse und Exklusivität stand, waren zuletzt solche Ungereimtheiten so alltäglich wie das Training der ersten Mannschaft.

Diese Umstände hatten zum grossen Umbruch dieser Woche geführt, mit den Rücktritten des Präsidenten Roland Leutwiler sowie seines Vize Alain Sutter und des Verwaltungsrates Daniel Schweizer. Zudem hatte GC auch noch den CEO Marcel Meier entlassen. Am Donnerstag nahm Anliker zu dieser radikalen Wende Stellung. «Das ist keine Revolution», sagte er damals, «das ist eine Evolution.»

Seine Ansicht hat viel Wahres. Denn mit André Dosé übernimmt nicht ein Mann die Führung der Grasshoppers, der undifferenziert alles kahlschlagen würde. Der ehemalige Crossair-Pilot Dosé hat sich nach seinem Engagement bei der Swiss in Restrukturierungen spezialisiert und führt auch eine eigene Firma, die solche Dienstleistungen anbietet. Er analysiere den «Istzustand» schonungslos und setze die Pläne zur Besserung konsequent um.

So erklärte Dosé am Samstag seine Arbeitsweise. So sollen sich die heute fragilen Heuschrecken zu einem resistenteren Organismus weiterentwickeln. Einen ersten Schnitt hat er bereits vorgenommen. Am Freitag teilte er auf dem Campus dem Trainer Ciriaco Sforza mit, dass sich GC im Sommer von ihm trennen werde.

In Niederhasli ist Dosé auf viele und grosse Baustellen gestossen. Er spricht von Freude, die wieder einkehren soll, von Winner-Mentalität. Dosé verspricht keine Titel, sondern stellt Wichtigeres in Aussicht: «Ich gebe heute nur ein Versprechen ab: Dass sich die Verantwortlichen voll und kompromisslos einsetzen werden.» Und dies mittel- und langfristig. Seit 1999 habe GC 6 Präsidenten, 7 Sportchefs und 9 Cheftrainer gehabt, zählt Dosé auf. «So kann man kein Unternehmen führen. Es braucht Konstanz.»

Kontinuität wird dieses neue GC auch im Nachwuchsbereich beibehalten. Auch unter Dosé soll dieser ein wichtiger Bestandteil sein. «Aber die erste Mannschaft muss wieder auf Erfolg ausgerichtet sein», sagt Dosé. Beide Bereiche müssten nebeneinander hergehen. Für diese GC-Evolution braucht es nicht nur Zeit, sondern auch ein höheres Budget. Auch das ist eines von Dosés Zielen. Auch hier macht Dosé keine leeren Versprechen. «Das ist Knochenarbeit. Es braucht Konzepte und eine Führung, die funktioniert.»

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