Dumm gelaufen, Fredy Bickel! Was aus der damaligen Sicht des FCZ-Sportchefs ein kluger Schachzug war, ist für den heutigen YB-Sportchef ein Stimmungstöter. Mit einem Vertrag bis 2016 hatte FCZ-Bickel vor anderthalb Jahren Verteidiger Loris Benito an die Zürcher gebunden – und damit YB-Bickel die Chance verbaut, das Talent nun nach Bern zu lotsen …

Doch Bickel wusste Rat. Er holte für die vakante Position des Linksverteidigers statt Benito einfach einen anderen früheren FCZler: Alain Rochat. Dieser ist nach Harry Gämperle, Erich Hänzi, Milan Gajic, Bert Theunissen und Steve von Bergen bereits die sechste YB-Verpflichtung mit FCZ-Vergangenheit, seit Bickel am 1. Januar dieses Jahres in Bern Sportchef wurde. «Ich glaube allerdings nicht, dass mir dies auf Seite des FC Zürich übel genommen wird», sagt Bickel. «Aber meine Tochter, eine riesige Anhängerin des FCZ, hat erzählt, wie die Fans in der Südkurve über mich schimpfen.» Der 48-Jährige beschwichtigt indes: «Ich habe keinen Zürcher kontaktiert, der noch unter Vertrag gestanden ist.»

Seine Strategie, auf frühere FCZ-Mitarbeiter zu setzen, ist nachvollziehbar. «Bei YB wurde von den Verantwortlichen immer Zeit eingefordert, um etwas aufzubauen. Aber genau dies wollten die
Investoren und auch die Fans nicht mehr hören. Ich wusste, dass bei YB der schnelle Erfolg gefragt war», sagt Bickel. «Ehemalige FCZler zu verpflichten, das war der einzig gangbare Weg. Leute zu holen, denen ich vertraue und die uns sofort weiterhalfen.» Typen, wie …

… Harry Gämperle. «Ihn verpflichtete ich, bevor feststand, wie der neue Cheftrainer heisst. Ich wusste, dass Harry kaum beim FCZ bleiben würde und ein Angebot von Hertha hatte. Es musste daher schnell gehen. Ich bin total überzeugt von seinen Qualitäten als Assistenztrainer. Seine grösste Stärke ist, dass er sich wenig daraus macht, wie er in der Öffentlichkeit angeschaut wird. Er handelt immer im Dienst des Teams.»

… Erich Hänzi. «Wir brauchen in Bern Leute, die etwas verkörpern. Die den Berner herüberbringen und Seriosität sowie Bodenständigkeit ausstrahlen. Es kann nicht sein, dass die besten Junioren nicht mehr zu YB, sondern zu den umliegenden Vereinen gehen. Erich ist U14-Trainer und Karrierebetreuer. Ein YBler durch und durch! Er beinhaltet mehr YB, als wir alle zusammen. Er ist ein Arbeiter wie Harry. Beide sind Typen, die im Hintergrund ehrliche Arbeit abliefern.»

… Milan Gajic. «Er ist ein hochanständiger, schüchterner und sensibler Typ. Er braucht lange, bis er jemandem vertraut. Wenn aber das Vertrauen da ist, dann öffnet er sich. Ich weiss über ihn viel mehr als über andere Spieler, mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe. Er hat mich heute, an seinem freien Tag, schon viemal angerufen. Leider hat er sich in der Sommerpause verletzt. Er hat sich in Serbien einen Leichtathletiktrainer genommen, um an seiner Schnelligkeit zu arbeiten: Muskelfaserriss im Sprinttraining. In zwei Wochen sollte er wieder fit sein.»

… Steve von Bergen. «Im März habe ich Kontakt mit ihm aufgenommen, zuerst per SMS. Irgendwann hat er mir zurückgeschrieben, ich solle damit aufhören, er wisse jetzt, dass ich ihn wolle. Ich blieb hartnäckig. Ich habe Nuzzolo auf ihn angesetzt, um ihn zu bearbeiten. Er ist der Götti seines Kindes. Wölfli habe ich das Gleiche gesagt: ‹Wenn du in der Nati bist, setzt du dich neben Steve und redest mit ihm.› Von Bergen spricht unentwegt. Er hat schon beim FCZ die Welschen und die anderen zusammengebracht.»

… Alain Rochat. «Als sich herauskristallisierte, wie Trainer Uli Forte spielen wollte, dass er Spycher im Mittelfeld sah und nicht hinten links, mussten wir einen Linksverteidiger suchen. Das Profil war auf Rochat zugeschnitten. Ich hatte ihn zu YB und später zum FCZ geholt. Und jetzt wieder zu YB. Er hat viel Routine und Spielintelligenz, er kann auf verschiedenen Positionen spielen. Manchmal ist er der Welsche, der es mit etwas mehr Biss noch weiter gebracht hätte.»

… BERT Theunissen. «Ich habe ihn 1999 als Scout für YB verpflichtet. Als ich zum FCZ ging, nahm ich ihn mit. Als ich wieder zu YB wechselte, habe ich ihn erneut hierhergeholt. Theunissen beobachtet vor allem Junge in der Region. Ihn zeichnet das Auge aus. Beim FCZ war er mein Gewissen. Bevor ich einen Spieler verpflichtet habe, sagte ich zu Theunissen: ‹Schau ihn dir an.› Bert ist nicht immer so angenehm, nicht immer diplomatisch. An einem Wochenende sieht er zehn Spiele. Er notiert nichts, ruft dann am Montag an und beschreibt während Stunden jene Fussballer, die ihm aufgefallen sind.»

PS: Mit Aussenverteidiger Scott Sutter und Nachwuchstrainer Mario Raimondi sind weitere frühere FCZler bei YB tätig. Bickel sagt, im Moment sei kein weiterer Zuzug vom FCZ geplant.

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