Manchmal ist der Betrachter in der Hektik der Szene gefangen. Erst im Rückblick wird einem bewusst, wie wunderbar, skurril, oder manchmal auch tragisch ein Moment ist. Dann wird dieser Moment zur Sportgeschichte. Unvergessen, eines der aktuellsten Beispiele aus dem Fussball: Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Mittelfinger. Einen Tag später erklärt er: «Der Finger war gegen mich selbst gerichtet.»

Am letzten Montag sorgte der FC Basel für einen Moment der Schweizer Sportgeschichte. Er muss erklären, warum ein Trainer entlassen wird, der in seiner Karriere beim FCB immer Meister wurde (2013 und 2014) und immer Erfolg in Europa hatte (Europa-League-Halbfinal, Europa-League-Viertelfinal und zweimal Chelsea besiegt in der Champions League).

Die Stimmung ist geprägt von Emotionen, öfters gereizt. Wer sich nach unklaren Antworten anmasst, erneut nach Gründen für die Entlassung zu fragen, wird von Präsident Bernhard Heusler unwirsch zurechtgewiesen («Reden wir hier eigentlich an eine Wand?!»). Einer ist immer souverän: der entlassene Trainer, Murat Yakin. Es ist eine Basler Erklärungsstunde, die noch lange nachhallen wird.

Auch sechs Tage später sind nicht alle Fragen restlos geklärt. Zum Beispiel diese: Wann wurde die Entlassung von Murat Yakin beschlossen? Und wer sind die Spieler, die hauptverantwortlich sind für die viel zitierten «atmosphärischen Störungen», die der FCB-Führung so missfielen und die am Ursprung von Yakins Ende stehen?

Das Spiel ist immer dasselbe. Über Monate hinweg beklagen sich Spieler bei den Medien über Trainer Yakin. Um wen handelt es sich? Eine sehr gut informierte Quelle sagt: «Die Absetzung von Yakin wurde forciert durch Marco Streller sowie den Degen-Zwillingen.»

Um die Vorgänge zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. Als Murat Yakin im Oktober 2012 Trainer des FC Basel wird, sagt er, angesprochen auf grosse Namen wie Alex Frei, Streller und die Degens, in einem seiner ersten Interviews: «Sie fühlen sich wie Könige, und so muss man sie auch behandeln.» Je länger die Amtszeit von Yakin dauert, desto weniger fühlen sich die Könige wie Könige. Bei den Degen-Zwillingen verständlich, sie sind sportlich keine grossen Faktoren mehr. Aber Streller ist nach wie vor das Herz der Mannschaft. Jedoch soll er Angst gehabt haben vor einem unrühmlichen Ende beim FCB.

Er wollte offenbar nicht plötzlich am linken Flügel spielen wie Alex Frei, heisst es. Und sich darum sogar einen vorzeitigen Rücktritt überlegt haben – für den Fall, dass Yakin weiter Trainer bleibt.

Definitiv bekannt gegeben wurde der Abgang von Murat Yakin am Samstag 17. Mai, am Tag vor dem letzten Saisonspiel. Bereits Ende 2013 wurden Präsident Heusler und Streller in einem Restaurant beim Essen gesehen. Augenzeugen berichten, sie hätten schon dort vermutet, es ginge im Gespräch der beiden FCB-Exponenten um Yakins Zukunft. Wir erinnern uns: Am letzten Montag sagt Heusler: «In all dieser hektischen Zeit hatte ich gar nie die Gelegenheit, mich mit Murat Yakin bei einem guten Glas Wein über die Zukunft zu unterhalten.» Eine andere sehr gut informierte Quelle sagt: «Die Absetzung von Yakin war längst beschlossene Sache – ich war mir nur nicht ganz sicher, ob die Führung nach dem erneuten Meistertitel wirklich den Mut dazu aufbringt.»

Konfrontiert mit den Fragen sagt FCB-Präsident Heusler: «Die Trennung zwischen dem FCB und Yakin wurde am Samstag 17. Mai beschlossen und bekannt gegeben.» Und weiter: «Wir vermuten, dass Journalisten von Spielern Informationen erhalten haben. Die Namen der Spieler hat nie ein Journalist offengelegt. Darum sind wir nicht sicher, ob und wie Spieler mit Journalisten gesprochen haben.»

Philipp und David Degen sagen: «Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, den Fussball. Ansonsten: kein Kommentar.» Marco Streller lässt ausrichten: «Sorry, bin in den Ferien.» Die drei Könige geniessen ihr Glück.

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