Die Angst im Nacken

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Die Trainergilde im Weltfussball kennt seit Donnerstag eine neue Angst. Die Angst hat einen Namen. Sie heisst José Mourinho. In manchen Spitzenklubs Europas gibt es Trainer, denen sich beim Gedanken daran, dass «The Special One» wieder verfügbar ist, die Nackenhaare aufrichten. Kaum hat er seine Stelle bei Chelsea verloren, gilt der Portugiese als möglicher Ersatz aller Übungsleiter, die nicht ganz fest im Sattel sitzen. Rafa Benitez, der ungeliebte Trainer von Real Madrid, schläft vermutlich unruhig, seit er weiss, dass sein Vorvorgänger bald sein Nachfolger werden könnte. Viele Real-Madrid-Stars machten nie einen Hehl aus ihrer Verehrung für Mourinho.

Aber möglicherweise muss der frisch Entlassene gar nicht so weit reisen, um eine neue Aufgabe anzunehmen. Von London nach Manchester beträgt die Distanz bloss 262 Kilometer Luftlinie. Und wenn man bedenkt, wie viel Geld Manchester- United-Boss Louis Van Gaal schon ausgegeben hat, um sich dann doch nicht für die K.-o.-Phase der Champions League zu qualifizieren, darf es einen nicht wundern, dass Mourinho auch als Ersatz für den Holländer im Gespräch ist. Aber selbst Trainer in Frankreich wie José Miguel Michel (Olympique Marseille) oder Hubert Fournier (Olympique Lyon) stehen mit ihren Teams nicht dort, wo es die Arbeitgeber und die Fans erwartet haben. In Italien läuft Sinisa Mihailovic von der AC Milan Gefahr, bald ein Mourinho-Opfer zu werden.

Wenigstens in der Schweiz sieht es auf den ersten Blick nicht so aus, als müsste ein Spitzentrainer Angst vor einer Ablösung durch Mourinho haben. Zum einen sind die meisten Wackelkandidaten in der Schweizer Super League schon vor Monaten ersetzt worden. Und zum andern ist zu bezweifeln, dass die hiesige Meisterschaft für einen Mann mit dem Selbstverständnis des Ex-Chelsea-Managers eine echte Herausforderung darstellt.

Eine Ausnahme ist freilich vorstellbar. Beim FC Basel, dem einzigen Schweizer Klub mit internationaler Ausstrahlung, könnte man sich Mourinho auf der Bank gerade noch vorstellen. Und dass FCB-Trainer Urs Fischer zurzeit klar auf Meisterkurs ist, muss noch lange nicht heissen, dass er seine Arbeitsstelle auf sicher hat. Gerade der Gewinn eines Meistertitels war beim FCB in den letzten Jahren alles andere als eine Jobgarantie. Sollte Mourinho in den nächsten Tagen am Rheinknie gesichtet werden, müsste Urs Fischer auf alles gefasst sein.

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