Selbst der Herrscher von Dubai war vorübergehend in den Tennispalast gekommen, zur prickelnden Show an diesem kühlen Samstagabend. Ganz zum Ende der 20. Auflage der «Duty Free Championships» liess der viel beschäftigte Staatsmann Mohammed bin Raschid al Maktoum dann allerdings einen engen Verwandten aus der Herrschersippe dem neuen Champion Roger Federer den gewaltigen Silberpokal in die Hand drücken– dem Mann also, der in den letzten zwei Jahrzehnten wie kein anderer diesem boomenden Millionenwettbewerb seinen Stempel aufgedrückt hatte und der gestern bereits seinen fünften Titel im Emirat gewann.

«Es ist ein grossartiger Moment für mich, ein wunderbares Gefühl, gegen so starke Konkurrenz gesiegtzu haben», sagte der 30-jährige Schweizer, der König der Wüste, der sich auch beim 7:5, 6:4-Finalsieg gegen den Briten Andy Murray auf dem pfeilschnellen Centre-Court als Meister der Beschleunigung und Tempokontrolle erwies. Neben 500 Weltranglistenpunkten verdiente sich Federer für den fünften Dubai-Titel im siebten Final in seinem Zweitdomizil 409 000 Dollar.

Federers Bilanz seit dem unglücklich verlorenen US-Open-Halbfinal bleibt beeindruckend, mit dem Triumph über Murray hatte er nun 33 der letzten 35 Matches gewonnen und aktuell ein erstaunliches Siegdouble in Rotterdam undDubai geschafft. Nur der Amerikaner John Isner im Davis-Cup und Rafael Nadal bei den Australian Open konnten den Maestro im Laufe dieser Serie bezwingen. «Ich fühle mich im Moment einfach in sehr starker Verfassung, physisch und psychisch. Die Siege sind schon eine Ansage, ein Ausdruck von Selbstbewusstsein», sagte der inzwischen 72-malige Turniersieger, der das Selbstvertrauen fraglos in die Masters-Turniere von Indian Wells und Miami mitnehmen wird. Dort, so sagte Federer, «will ich weiter angreifen.»

Dass Federer nach einer Stunde und 36 Minuten seine Fäuste in den nachtklaren Himmel recken konnte, als Geste des Triumphs und der Genugtuung, verdankte er in diesem Final seiner strikten Bereitschaft, mehr Risiko als sein Gegnereinzugehen und in entscheidenden Spielmomenten nicht vom wagemutigen Kurs abzuweichen. «Ich wusste, dass ich die Initiative ergreifen und den ersten Zug machen musste», sagte Federer.

Wie schon in den vergangenen Turniertagen konnte sich der zu allem entschlossene Schweizer auf seinen starken Service und seine präzisen, gut getimten Grundlinienschläge verlassen, nur ein einziges Break liess Federer im Final und auch im ganzen Turnier zu. «Das Spiel auf diesem schnellen Belag ist eine Herausforderung, die ich mag. Das war ein echtes Vergnügen», befand Federer, der sich zuletzt mehrfach über die Tendenz zur Entschleunigung der Tenniscourts beklagt hatte.

Federer verwertete in dem lange Zeit ausgeglichenen Finalduell seine ersten Breakchancen zum vorentscheidenden 6:5 im ersten Satz, anschliessend servierte er den Auftaktdurchgang mühelos aus. Dramatischer wurde es dann im zweiten Akt, just in dem Moment, als Scheich Mohammed das Stadion wegen anderer Amtsgeschäfte verlassen musste.

Federer erspielte sich das frühe Break zum 2:1, zog auf 3:1 weg, doch in einer kleinen Schwächephase verlor er zum ersten Mal seit dem Halbfinalmatch gegen Nikolai Dawidenko in Rotterdam wieder einmal seinen Aufschlag – zum 3:3-Ausgleich. «Ich habe das aber problemlos weggesteckt und mich nicht beirren lassen», sagte Federer später. Ausdruck dieser Nervenstärke war das erneute Break des Ballkünstlers zum 5:4, dem schliesslich ein weithin problemloses letztes Aufschlagsspiel zum 6:4 folgte. «Ich gehe jetzt in einer sehr starken Position in die nächsten Turniere», erklärte er zufrieden.

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