VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Wann ist ein Fussballer ein wertvoller Fussballer? Wenn er viele Tore schiesst? Wenn er viele Tore verhindert? Wenn er Spektakel bietet? Wenn er den gegnerischen Starspieler aus dem Spiel nimmt? Wenn die Trikots mit seiner Rückennummer die meistverkauften sind? Der wertvollste Spieler hat von allem etwas, aber selten vereinigt er alle Qualitäten in Perfektion. Er ist Individualist und Teamspieler. Er ist Leithammel und Integrationsfigur.

Fussball ohne Tore ist so prickelnd wie Carreras ohne Stimme. Trotzdem wäre es zu simpel, würde es der Komplexität des Spiels nicht gerecht werden, den Wert eines Spielers nur aufgrund seiner Trefferquote zu beurteilen. David Beckham beispielsweise ist etwas für Paparazzi, Groupies, Metrosexuelle oder andere Trendsetter.

Ihm gehören die Schlagzeilen, die schönen Frauen und die Werbe-Budgets. Der Fussballfan anerkennt zwar seine Freistoss-Technik, doch ihm ist der Glamourboy zu glamourös, zu abgehoben, um sich mit ihm zu identifizieren. Verehrt werden andere. Zum Beispiel Spieler wie Reto Zanni, den die Muttenzerkurve selbst nach der sechsten Flanke hinters Tor in den Olymp der Fussballgötter schreit.

Arbeit wird honoriert. Weil Silvan Aegerter nicht nur hart, sondern auch intelligent arbeitet, ist er unser MVP (most valuable player), der wertvollste Spieler der Liga. Benjamin Huggel ist lauter, Eric Hassli ist technisch brillanter, Almen Abdi erzielt mehr Tore, Franco Costanzo hält mehr Bälle und Hannu Tihinen ist unerschrockener. Doch bei kaum einem anderen Spieler ist es augenfällig, wenn er fehlt, wie bei Aegerter. «Er ist unverzichtbar», sagt sein Trainer beim FCZ, Bernard Challandes. «Er ist nicht nur Kämpfer und Zerstörer, sondern ein sehr guter Fussballer.»

«Wenn der FCZ Meister wird, ist Hassli mein MVP. Wenn wir Meister werden, Huggel oder Costanzo», sagt Basels Chefscout Ruedi Zbinden. «Abdi, weil er so viele Tore schiesst, obwohl er nicht Stürmer ist», sagt Aaraus Assistenztrainer Jeff Saibene. «Hassli oder Abdi», sagt Erich Vogel, Sportchef bei GC. «Hassli», sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Aber unser MVP ist Aegerter.

Das könne man schon vertreten, sagen die Experten. Vielleicht ist er doch zu wenig schrill, zu leise, zu unscheinbar. Doch wo man hinhört, zollt man Aegerter Respekt für dessen positive Entwicklung. Dass der FCZ die beste Defensive der Liga hat, werde oft vergessen, sagt Aegerter, der Mann für die Balance im Team.

Der Vater Werkzeugmacher, die Mutter solange Hausfrau, bis die drei Kinder keine Vollzeit-Betreuung mehr brauchen. So wuchs Aegerter in einem Mehrfamilienhaus in Grenchen auf. «Ganz normal», wie der 29-Jährige findet. Guter schweizerischer Mittelstand, der prägt. Aegerter sagt, er hätte von zu Hause gelernt, sich dem Kollektiv unterzuordnen. Davon profitiert er heute.

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