Deutlicher hätte das Zeichen nicht sein können. Statt seine Mannschaft am Abend im Cupspiel gegen den BSC Old Boys vom Spielfeldrand aus zu coachen, reiste Cheftrainer Murat Yakin gestern Vormittag ab. Ins bulgarische Plovdiv, wo das Heimteam Ludogorez Rasgrad empfing. Letztere sind der Gegner, den der FC Basel in den kommenden zehn Tagen aus dem Weg räumen muss, um in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. «Unbedingt» wollte Yakin selber einen Blick in die Wundertüte Ludogerez werfen. Um bereit zu sein für die «Stunde der Wahrheit», wie man im FCB die Playoff-Partien auch nennt.

Es geht um viel, um sehr viel. Natürlich in erster Linie ums Geld. Dem FCB winken in der Königsklasse Einnahmen von rund 20 Millionen Franken. Das jährlich im Basisbudget eingeplante strukturelle Defizit von 10 Millionen wäre mit einem Schlag gedeckt. Der finanzielle Kraftakt, der für die Rückkehr von Matias Delgado nötig war, und der diesen zum wohl teuersten FCB-Spieler aller Zeiten macht, wäre relativiert.

Seit dem Rückzug von Mäzenin Gigi Oeri ist der Klub jedes Jahr auf Zusatzerträge angewiesen, um die Dysbalance zwischen Basisertrag und Basisaufwand auszugleichen (siehe Grafik). Nirgends kommen Fussballvereine so schnell zu so viel Geld wie in der Champions League. «Die Champions League wird vielleicht noch mehr zum Ziel oder zum Zwang», sagte Präsident Bernhard Heusler kurz nach Oeris Ausstieg vor zwei Jahren.

Auch, weil die Königsklasse die zweite Quelle für Zusatzerträge speist. Spielerverkäufe. Ohne die 25 Millionen für Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka, die Bayern München bzw. Mönchengladbach im Sommer 2012 nach Basel überwiesen, hätte der FCB im letzten Geschäftsjahr wohl seine Reserven anfassen müssen, um eine ausgeglichene Bilanz zu präsentieren.

Die Champions League ist das wichtigste Schaufenster für Fussballprofis. Wer im Konzert der Grossen mitspielt, dessen Marktwert schnellt blitzartig in die Höhe. Champions-League-erfahrene Spieler sind bei Nationaltrainern gefragt – ein Aufgebot macht sie noch einmal wertvoller. So sind auch die Marktwerte von Xhaka, Shaqiri, Aleksandar Dragovic und Valentin Stocker gestiegen. Letzterer verlässt den FCB wohl als Nächstes in Richtung Bundesliga (Schalke 04).

Wie die Spieler betreibt auch der FC Basel in der Champions League Eigenwerbung. Mit einer weltweiten TV-Präsenz steigen die Attraktivität und die Chance, dass junge und preisgünstige Spieler am Rheinknie ihre Europakarriere lancieren wollen. Mitunter dank den Erfolgen in der Saison 2011/12 (Erreichen des Champions-League-Achtelfinals) gelang es vor einem Jahr, Mohamed Salah und Marcelo Diaz zu verpflichten. Der FCB stach im Werben um den Ägypter und den Chilenen Vereine aus der Serie A und der Primera Division aus. Das Ziel ist, Salah und Diaz irgendwann gewinnbringend zu verkaufen – da hilft ein Platz für die beiden im Schaufenster der Champions League ungemein.

Neben Geld spielt der FCB gegen Ludogorez auch um immaterielle Werte. «Die Unruhe im August ist völlig normal. Damit können und müssen Klubleitung, Trainer und Mannschaft umgehen», sagt zwar Bernhard Heusler. Trotzdem weiss auch der Präsident in einer der schwierigsten Phasen seit der Amtsübernahme: Ein positiver Ausgang der Playoff-Partien wäre wie ein riesiger Befreiungsschlag nach turbulenten Wochen. Negativer Höhepunkt die Raserfahrt von Raul Bobadilla, der damit seinen Kredit verspielt hatte und am Mittwoch nach Augsburg gegangen wurde. Mit der raschen Vorstellung von Nachfolger Giovanni Sio gelang es, zumindest ein wenig Ruhe in die Stürmerdiskussion zu bringen.

In Teilen des Fanlagers wird auch der Trainer angezählt. Wenn er und seine Spieler dem Publikum die magischen Champions-League-Nächte zurückbringen, verstummen die Kritiker fürs Erste. Und Murat Yakin hat nach dem grossen Bobadilla-Irrtum wieder Argumente, um seine Wünsche durchzubringen. Angeblich will er Bruder Hakan, der seine Profikarriere beendet hat, beim FCB als Nachwuchstrainer installieren. «Die Champions League hat aber oberste Priorität», sagt Yakin. Auch er weiss, wie viel auf dem Spiel steht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!