VON SIMON STEINER

Sein erster grosser Medienauftritt war fulminant wie ein 100-m-Start. Am Rand der Olympischen Spiele weilte Reto Amaru Schenkel im Sommer 2008 als Gast in der Sendung «Peking Lounge» des Schweizer Fernsehens. Die Bitte des Moderators, den Laufstil eines Berner Olympiateilnehmers zu charakterisieren, beantwortete der junge Zürcher vor versammeltem Fernsehpublikum mit einer filmreifen Demonstration der Sprinttechnik der Läufer des TV Länggasse.

Die Showeinlage sorgte im Studio für grosse Heiterkeit. Schenkel hatte die schnellsten Läufer aus der sprichwörtlichen Hauptstadt der Langsamkeit mit Augenzwinkern und jugendlicher Unbekümmertheit aufs Korn genommen, nicht ohne auf die Erfolge des betreffenden Olympiastarters und mehrfachen Schweizer Meisters hinzuweisen. Gemischt fielen die Reaktionen allerdings im Publikum, aber auch im Verband aus. «Ich musste mir einiges anhören», sagt Schenkel und lacht.

Auf der sportlichen Bühne hatte Schenkel schon 2006 in einem grösseren Kreis für Aufmerksamkeit gesorgt, als er in 10.45 Sekunden den 36 Jahre alten Schweizer Juniorenrekord über 100 m verbesserte. Und seit letzten Sommer ist das Mitglied des LC Zürich auch Rekordhalter bei den Aktiven – als Schlussläufer der schnellsten Schweizer Staffel, die je eine 400-m-Bahn umrundet hat. Kein Wunder also, gilt der 21-Jährige bei Swiss Athletics als «World Class Potential» – als einer, der die Schweizer Leichtathletik dereinst an der Weltspitze vertreten könnte.

Das ist auch seine erklärte Absicht. «Ich will immer der Beste sein», sagt er. «Das ist gleichzeitig meine Stärke und meine Schwäche.» Und deutet damit das Frustrationspotenzial an, das die Kehrseite seines grossen Ehrgeizes ausmacht. Überhaupt macht er sich viele Gedanken über sich. Und sagt dann Sätze wie: «Ich bin sehr ungeduldig und musste erst lernen, einen Schritt nach dem andern zu nehmen.» Oder: «Ich bin sehr streng zu mir selber.»

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