VON MICHAEL WEHRLE AUS PARIS

Fast jeder Pokal, der im Tennis Bedeutung hat, steht bereits in Federers Trophäenschrank. Nur einer fehlt, allerdings ein ganz wichtiger. Die Coupe des Mousquetaires für den Sieger des Grand-Slam-Turniers von Paris. Seit fünf Jahren greift Federer nach dem Objekt der Begierde, viermal stand ihm Sandkönig Rafael Nadal vor der Sonne.

Zunächst im Halbfinal, dann dreimal in den Endspielen. Heute um 15 Uhr nimmt der Schweizer einen neuen Anlauf. Robin Söderling heisst diesmal sein Gegner auf dem Court Philippe Chatrier. Und erstmals kommt der Baselbieter als Favorit auf den Platz.

Das macht die Sache für den 27-Jährigen nicht unbedingt einfacher. Alle, ausser den Söderling-Fans, wünschen nicht nur, sondern erwarten von ihm auch den Titel. Die Franzosen haben Federer in ihr Herz geschlossen. «Sie wünschen mir viel Glück, wenn sie mich auf der Strasse sehen, einer sprang an einer roten Ampel aus dem Auto, rannte auf mich zu und wollte ein Autogramm», erzählt Federer.

Gestern wollte er sich darum abschotten, sich einen ganz ruhigen Tag gönnen, ein Ausflug war nicht mehr vor-gesehen: «Ausschlafen, essen, stretchen, ein wenig Training, stretchen, essen, vielleicht nochmals stretchen, ein bisschen Fernsehen und mit den Freunden entspannen.» Wichtig sei, im Rhythmus zu bleiben. Und dabei gelte es an so einem Tag, das Essen nicht zu vergessen. Das passiere schnell bei einem solch ruhigen Tag. Trainiert hat er übrigens hinter verschlossenen Türen.

Federer spielt heute nicht nur um seinen 14. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Er spielt wieder für die Geschichts-bücher. «Das ist doch schön, dass mal wieder darüber gesprochen wird und nicht immer nur, dass ich in der Krise stecke», betont er. Gewinnt der Schweizer heute, dann schliesst er in Sachen Grand-Slam-Siege zu Pete Sampras auf, der diese Rangliste anführt.

Gleichzeitig wäre er erst der sechste Mann überhaupt, der sämtliche Grand-Slam-Turniere wenigstens einmal ge-wonnen hat. In der Profiära seit 1968 schafften das bisher nur zwei Mann: Rod Laver, der Australier, und vor zehn Jahren vervollständigte in Paris Andre Agassi seine Sammlung. Der drückt Federer heute die Daumen: «Auf allen vier Belägen zu siegen, ist die grösste Leistung», erklärt Agassi. Sein Triumph in Paris sei für ihn der wichtigste Titel gewesen. Er habe seine Karriere und sein Leben geprägt.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!