Die ganze Unihockey-Welt blickt in den kommenden sieben Tagen in die Schweiz, wo sich die 16 besten Teams um den WM-Titel duellieren. Aber es ist eine kleine Welt. Der internationale Verband (International Floorball Federation/IFF) umfasst zwar 55 Mitgliedsstaaten. Doch ernsthaft betrieben wird die Sportart in einem halben Dutzend Länder. In Schweden und Finnland gehört «Innebandy» bereits zu den etablierten Grössen der Sportszene. In der Schweiz ist Unihockey hinter Fussball und Volleyball die Sportart mit den drittmeisten lizenzierten Spielern (etwa 30 000), wird aber immer noch mehrheitlich als Breitensport mit regionalen Hochburgen wahrgenommen.

In diesem Sinne widerspiegelt der Mikrokosmos Schweiz die globalen Verhältnisse. Unihockey ist hierzulande vor allem in den ländlichen Gebieten präsent, hat dafür aber in den Ballungszentren Zürich, Basel und Bern einen schweren Stand. Unihockey wird durchaus als Spitzen- und Leistungssport wahrgenommen, wird aber den Mief des Provinziellen trotz allem nicht los. Es mag ungerecht sein: Aber wenn der Serienmeister SV Wiler-Ersigen heisst, dann tönt das eben nicht so sexy.

Im globalen Kontext spielt Schweden die Rolle des SV Wiler-Ersigen. Die ersten sechs der bisher acht vergebenen WM-Titel sicherten sich die Skandinavier. Zuletzt triumphierten zweimal die Finnen, die ihren Nachbarn inzwischen zumindest auf Augenhöhe begegnen. Nach den beiden Vertretern aus dem hohen Norden tut sich eine Lücke auf, hinter der die Schweiz und Tschechien auftauchen. Danach wird das Gefälle noch extremer. Und es zeigt das Problem der Sportart auf ihrer Suche nach weltweiter Anerkennung. Sie hat sich seit ihrer Entstehung in den 1980er-Jahren in zu wenigen Ländern wirklich etabliert.

Dabei hegt man in Unihockey-Kreisen schon seit längerem ambitionierte Ziele: Man möchte sich mittelfristig einen Platz im Programm der Olympischen Sommerspiele ergattern. Doch das funktioniert nur, wenn sich der Sport weltweit etabliert. Der im vergangenen Sommer als Schweizer Verbandspräsident zurückgetretene Edwin Wiedmer war als Vorstandsmitglied der IFF in den letzten Jahren auch zuständig für die weltweite Förderung und Entwicklung der Sportart. Er sagt: «Olympia kann für uns in zehn Jahren zu einem Thema werden. Wir können es schaffen.» Er sagt aber auch: «Der Weg dorthin ist noch steil und steinig.»

Die Sondierungsgespräche mit den Vertretern der olympischen Bewegung haben ergeben, dass man als Aspirant für eine Aufnahme in den erlauchten Kreis der Olympiasportarten grundsätzlich drei Bedingungen erfüllen muss:

1.) Die Sportart muss attraktiv sein und die junge Bevölkerung ansprechen – sowohl als aktive Sportler als auch als passive TV-Konsumenten.

2.) Die Sportart muss einen starken finanziellen Background haben: Will heissen, dass ein starker Sponsor dahinter steht.

3.) Die Sportart muss auf allen Kontinenten vertreten und etabliert sein.

Punkt 1 erfüllt Unihockey als Trendsportart mit starker Anziehungskraft für Kinder und Jugendliche selbstredend. Bei Punkt 2 fangen die Probleme aber schon an. Aufgrund der nicht vorhandenen globalen Ausstrahlung fehlt dem Unihockey die Basis, um finanzstarke Partner anzulocken. Und hier kommt die allergrösste Baustelle ins Spiel, welche vor allem Punkt 3 betrifft. Wer internationale und potente Sponsoren anlocken will, der muss in den grossen Märkten präsent sein. Beispielsweise in Deutschland oder in den USA. Edwin Wiedmer sagt zwar, dass es in beiden Ländern durchaus ermutigende Ansätze gebe: «Aber das Problem ist, dass es einzelne Unihockey-Hochburgen mit regionalen Turnieren gibt, aber keinen landesweit organisierten Ligabetrieb, der für die Sponsoren interessant wäre.»

Auch deshalb hat die IFF nun damit begonnen, bei ihren Mitgliedsverbänden ein Lizenzierungssystem einzuführen. Mit dem Ziel, den Wildwuchs einzudämmen und einheitliche Strukturen zu schaffen. Wiedmer unterstreicht, «dass Unihockey kein Hype sein soll. Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen». Das neuste Mitglied der IFF ist übrigens Moçambique, womit auch der afrikanische Kontinent vertreten wäre – und ein weiteres, kleines Teil des riesigen Olympiapuzzles seinen Platz gefunden hat. Geduld ist gefragt.

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