VON KLAUS ZAUGG, MARCEL KUCHTA UND PATRIK SCHNEIDER

Der Sport verändert im 21.Jahrhundert die Welt wie nie zuvor. Die Vergabe der Fussballweltmeisterschaft 2010 nach Südafrika, die erste globale Sportveranstaltung auf dem schwarzen Kontinent, hat politische und wirtschaftliche Veränderungen von historischem Ausmass ausgelöst. Und nun wird die Fussball-WM 2022 in Katar ausgetragen. Wie vielleicht nie zuvor werden dannzumal religiöse und kulturelle Grenzen überwunden.

Kein Politiker kann solche Veränderungen auslösen wie Fifa-Präsident Sepp Blatter. Er ist der Fussball-Sonnenkönig, in dessen Reich die Sonne eben nie untergeht. Um es frivol zu sagen: Blatters Sekretärin hat weltweit wohl mehr Einfluss als unsere Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.

Dass Blatters Fifa den Schwefelgeruch der Korruption nicht loswird, spielt bei der Beurteilung seiner Machtfülle durchaus eine Rolle: Er hat so viel Macht, dass ihm diese Vorwürfe überhaupt nichts anhaben können. Damit es keine Missverständnisse gibt: Hier wird nicht die Debatte über die Fifa-Moral geführt – sondern nur über die Macht des grossen Fifa-Vorsitzenden aus dem Oberwallis.

Von den Schweizer Sportlern steht nur einer auf Sepp Blatters Stufe: Roger Federer. Er ist der einzige Schweizer Sportstar mit globaler Ausstrahlung. Er gehört zu den bekanntesten lebenden Menschen und ist auf allen Kontinenten populär. Simon Ammann mag der erfolgreichste Skispringer aller Zeiten sein – aber seine Ausstrahlung geht kaum über ein Dutzend Wintersportländer
hinaus.

Macht im Sport bedeutet nicht nur, wirtschaftliche und politische Prozesse zu beeinflussen. Auf unserer Liste stehen auch jene Persönlichkeiten, deren Einfluss auf die Schweiz oder auf eine einzige Sportart begrenzt ist. Sei es, weil sie als Veranstalter, als Sportler, als Mäzen, als Ausrüster, als Agenten, als Werber/ Sponsoren oder als Funktionäre eine entscheidende Rolle spielen.

Der mächtigste Mann im Schweizer Sport – hinter den «Global Players» Sepp Blatter und Roger Federer – ist SF-Sportchef Urs Leutert. Weil die TV-Verträge mit den nationalen Fussball- und Hockeyverbänden (bzw. den Ligen) im Sommer 2012 auslaufen. Die Verhandlungen haben bereits begonnen. Ob das Geschäft in einer Sportart brummt, hängt inzwischen hochgradig von der TV-Präsenz ab.

Unsere Liste führt wie schon vor einem Jahr die mächtigen Schweizer im Sport und die Mächtigen im Schweizer Sport auf. Sie ist zu kurz und damit in einem gewissen Sinne willkürlich, unvollständig und ungerecht. Weil mindestens 1000 Schweizer im Weltsport in irgendeiner Form etwas zu sagen haben und bewegen können. Die Platzierungen vom Vorjahr sind in Klammern aufgeführt.

(Vorjahr 1.)
Joseph S. Blatter
Die Kritiker bellen, Sepps Karawane aber zieht weiter, neuen Erfolgen entgegen. Fifa-Präsident Sepp Blatter gehört zu den bekanntesten lebenden Menschen der Erde. Er ist der Fussball-Sonnenkönig.

(2.) Roger Federer
Der populärste Einzelsportler der Welt. Ist der grösste Schweizer Sportler aller Zeiten für unser Land eine Nummer zu gross? Bei der Publikumswahl zum Sportler des Jahres hinter Simon Ammann und Schwingerkönig Kilian Wenger nur Dritter.

(7.) Urs Leutert
Ohne TV-Präsenz kein Geld, ohne Urs Leutert keine TV-Präsenz: Die TV-Verträge im Fussball und Eishockey laufen aus und nie hatte der SF-Sportchef mehr Macht.

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