Wenn er nicht im Sägemehl steht, sitzt Torsten Betschard am Bürotisch im Paul- Scherrer-Institut in Villigen. Dort arbeitet der ETH-Ingenieur an seiner Doktorarbeit. Er untersucht Strömungen in Kühlkreisläufen von Kernkraftwerken und welche Rolle diese bei schweren Störfällen spielen.

Betschart wuchs als Sohn eines gelernten Käsers und einer Hausfrau in Rothenthurm SZ auf. Dass er einmal eine Doktorarbeit schreiben würde, hätte er sich noch vor einem Jahr nicht träumen lassen. «Ich habe mir das nicht zugetraut. Zum Glück haben mich meine Professoren umgestimmt!», sagt er rückblickend. Von seinen Arbeitskollegen kommen viele aus Ländern wie Deutschland oder Indien, und vom Schwingen verstünden sie nicht viel. Interessieren dafür würden sie sich aber schon: «Sie wollten wissen, wie die Regeln sind, und einige wären sogar an das Eidgenössische gekommen, wenn sie noch Karten erhalten hätten.»

Betschard betont, dass er trotz seines internationalen Arbeitsumfeldes sehr traditionsbewusst geblieben sei: «Es ist wichtig, in dieser multikulturellen Welt, gewisse Bräuche in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten.» Betschart schwingt nicht nur, sondern macht auch Musik. Er spielt Klavier in einem Ländlertrio.

Bei den Schwingern stösst er als Student manchmal schon auf Vorurteile. Betschart liest Karl May ebenso wie Kafka, Nietzsche und Thomas Mann. Weil er einer von ihnen sei, höre man ihm aber zu. «Einer, der schwingt, kann ja nicht irgendein abgehobener Student sein», folgert Betschart für sich selber. (mwa)

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