VON TONI NÖTZLI AUS FALUN

Der Norweger Northug sicherte sich vor Cologna und Jean-Marc Gaillard (Fr) die erste Bonus-Wertung und reduzierte damit in der Zwischenwertung des Weltcup-Finals seinen Rückstand um fünf Sekunden. Doch damit hatte er sein Pulver bereits verschossen und möglicherweise einen taktischen Irrtum begangen.

Er hielt sich in der Folge zumeist in den hintersten Positionen der Hauptgruppe auf und wurde schliesslich ausgerechnet in der von ihm bevorzugten Skatingtechnik distanziert. 32 Sekunden nach Cologna traf Northug lediglich auf Platz 20 im Ziel ein.

Vor dem letzten Rennen von heute (15 km Skating, Handicapstart) liegt der Norweger nun 1:20 Minuten hinter dem Bündner zurück. Im Klartext sind die Aussichten des dreifachen Weltmeisters, den Weltcup doch noch zu gewinnen, auf genau jene 0,9 Prozent gesunken, mit denen er am Freitag angetönt hatte, nur diese bescheidene Marge trenne ihn noch von der Verwirklichung seines grossen Ziels.

Und Northug erwies sich als schlechter Verlierer. Er schlich stumm aus dem Skistadion im Lugnet-Park und verweigerte den Medienvertretern seines Heimatlandes jegliche Auskunft.

Zum Zeitpunkt, als Northug die Worte fehlten, widerfuhr Dario Cologna eine Ehrung, die noch keinem Schweizer Sportler zuteil wurde. Schwedens König Carl XVI. Gustav gratulierte dem Bündner auf der obersten Stufe des Podestes. Cologna war in magistraler Art und Weise zu seinem ersten «richtigen» Weltcup-Sieg gelaufen.

Als der frühere dreifache U23-Champion auf der zweiten Streckenhälfte gute Beine verspürte, übernahm er zusehends die Regie. Cologna holte sich die vierte und letzte Bonus-Wertung und nutzte den Schlussteil der Steigung, um seinen letzten Gegnern zu enteilen. Den kleinen Vorsprung verteidigte der WM-Vierte im Sprint gegen die auf der Zielgeraden heranstürmenden Konkurrenten sicher.

«Dario hat mich in diesem Rennen enorm beeindruckt. Ich denke, er überrascht die ganze Langlauf-Welt. Er hat gezeigt, dass er die grosse Kristallkugel unbedingt in seinen Besitz bringen will», erklärte Trainer Frederik Aukland.

Trotz der Niederlage seines Landsmannes Northug machte der Norweger klar, dass in seiner Brust nicht zwei Herzen schlagen: «Ich bin von Swiss-Ski angestellt und arbeite zu 100 Pozent für das Schweizer Team. Was Dario zustande bringt, ist generell für unseren Sport gut und für den Langlauf in der Schweiz im Besonderen.»

Das Jahrhundert-Talent ist noch 15 Kilometer oder rund 45 Minuten Einsatz vom grössten Triumph entfernt, den je ein Schweizer Langläufer erzielt hat. Gewiss sind die Erfolge der Athleten früherer Generationen bei Olympischen Winterspielen nicht zu unterschätzen.

Doch der Gewinn der grossen Kristallkugel zeichnet den beständigsten Athleten aus, der im Verlaufe einer langen Saison regelmässig an der Spitze mitgehalten hat. Vor wenigen Wochen deutete Dario Cologna einmal an, dass es für ihn darum gehe, der beste Langläufer der Welt zu sein. Heute Sonntag kann er sich in Falun dazu krönen.

Foto: Fredrik Sandberg - Scanpix Reuters