VON KLAUS ZAUGG

Eigentlich ist Arno Del Curtos HC Davos keine Mannschaft. Eher eine Glaubensgemeinschaft. Die «Zeugen Del Curtos». Und der Trainer ist ein Wahnsinniger des Eishockeys. In seinem Wesen und Wirken an der Bande mahnt er manchmal an eine Mischung aus Michael Mittermaier und Barack Obama.

Ein Komiker mit dem Sendungsbewusstsein, das Eishockey und den HCD immer besser zu machen. Was mit vier Finals und drei Titeln in 13 Jahren gut gelungen ist. Obwohl immer wieder Schlüsselspieler Davos verlassen haben: Mark Streit, Michael Kress, Lars Weibel, Patrick Fischer, Beni Winkler, Björn Christen, Thierry Paterlini oder Fabian Sutter.

Entweder wird einer, von Arno in jedem Training an die Grenzen getrieben, besser. Oder er zerbricht. HCD-Spieler sind die besten Athleten der Liga. Noch heute sagt Nati-Captain Sandy Jeannin, erst bei Arno habe er gelernt, was es bedeute, ein Eishockeyprofi zu sein. Gott erschuf den Menschen. Aber erst Del Curto formt sie zu Eishockeyspielern.

Der 52-jährige Engadiner bezeichnet sich selbst als Perfektionisten, der keinerlei Abweichung bei der Arbeit auf und neben dem Eis duldet. Auch nicht von seinem Freund Reto von Arx. Ja, keiner muss so viel Kritik einstecken wie der Leitwolf.

Unvergessen die Szene, als Reto nach eine Niederlage mit seinem Auto flüchtete, um seinem zornigen Trainer zu Hause in der Tiefgarage nicht mehr über den Weg zu laufen – die beiden wohnen fast Tür an Tür. Vorneweg Reto, hintendrein Arno, so brauste die wilde Jagd durchs Dorf. Nein, sagt Arno unwirsch, so sei es nicht gewesen. Er habe den Reto jedenfalls nicht mehr erwischt. Zwei Minuten hätten gefehlt.

Wer zum Wohlgefallen Arnos arbeitet, darf alles. Aber wer in Ungnade fällt, muss gehen. Spielt Beni Winkler deshalb heute mit den Kloten Flyers? Einmal hat Arno doziert, er wolle Männer. Nicht Kopfnicker. Und so fragte er nach der Spielvorbereitung jeden Einzelnen, ob er einverstanden sei.
Alle murmelten «Ja» oder «Jo».

Bis auf Verteidigungsminister Winkler. Der sagte «Nein», und in der Kabine kehrte Totenstille ein. Musste er also gehen, weil er es wagte, den Hockey-Berggott herauszufordern? «Nein», widerspricht Arno leidenschaftlich. «Mit Beni Winkler komme ich noch heute super aus. Er ging, weil er das Angebot einfach nicht ausschlagen konnte. Er hat doch nur zum Spass Nein gesagt, und wer mir zu widersprechen wagt, steigt in meiner Hochachtung.»

Er könne sehr gut mit Widerrede leben. «Aber Harmonie ist sehr wichtig. Deshalb werden alle Differenzen ausdiskutiert. Ich habe kein Problem, bessere Argumente zu akzeptieren. Leider ist es aber so, dass ich fast immer recht habe.»

Nun, in Tat und Wahrheit hat Arno in Davos wohl immer recht. Kein Trainer hat eine so uneingeschränkte Machtfülle. Auch nicht Ralph Krueger. Wäre das Schweizer Eishockey das Christentum, dann wäre der HCD die katholische Kirche und Arno Del Curto der Papst.


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