Der Rundkurs ist 2,9 Kilometer lang und führt rund um den Campus der EPFL, der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne. Der 44-jährige Lausanner Fathi Derder glaubt fest daran, dass hier 2017 ein Autorennen der Formel-E-Meisterschaft stattfinden wird. Es wäre das erste Rundstreckenrennen seit dem Jahr 1954, als das letzte Formel-1-Rennen auf Schweizer Boden ausgetragen wurde. Seither sind internationale Rennserien verboten.

Fathi Derder ist der politische Kopf, der den Weg für Grand-Prix-Rennen in der Schweiz geebnet hat. Als Waadtländer FDP-Nationalrat brachte er den National- und den Ständerat dazu, das Verbot teilweise aufzuheben. Dank seiner Initiative ist es wieder möglich, zumindest mit elektromotorbetriebenen Automobilen Meisterschaften auszutragen. Herkömmliche Rennwagen bleiben verboten.

Die Projektarbeiten sind am Laufen. Auf dem EPFL-Campus holt Derder, wo er ein Beratungsbüro für Start-ups betreibt, erste Pläne mit möglichen Streckenführungen aus seiner Aktentasche. Neben dem einen Kurs, der «Variante EPFL», die rund um den Hochschulcampus führt und auf den Gemeinden Chavannes-sur-Renens, Ecublens und Saint-Sulpice liegt, zeigt er einen weiteren Streckenkurs.

Die «Variante Lausanne» ist 3700 Meter lang und führt teilweise über die Piste des Stadtflughafens Lausanne-Blecherette (siehe Karten). Gespräche mit den Stadtbehörden seien positiv verlaufen. Unterstützung habe ihm auch EPFL-Rektor Patrick Aebischer zugesichert.

Derder ist kein PS-Freak. Er fährt einen nicht mehr ganz neuen Familienvan eines japanischen Herstellers. «Ich habe vier Kinder», sagt er mit einem Lächeln, als wir zu einer Spritztour um die geplante Rundstrecke aufbrechen. Gemächlich umrunden wir den knapp drei Kilometer langen Kurs. Noch blinken Lichtsignale, stehen Kreisel im Weg. «Sicher, da werden einige Anpassungen nötig sein», sagt Derder. Doch die Kosten seien vertretbar.

So müsste etwa ein begrünter Mittelstreifen einer Kantonsstrasse geteert werden. Abschrankungen und Auslaufzonen müssten gebaut werden. Start und Ziel würde vor dem imposanten Rolex Learning Center zu liegen kommen – dort, wo vor zehn Tagen das Atomabkommen mit dem Iran unterzeichnet wurde. Der gesamte Rundkurs führt über öffentliche Strassen. Vertreter der Automobil-Weltverbandes werden im Mai nach Lausanne reisen, um die Pläne zu begutachten.

Die Rennserie ist noch sehr jung. Das erste Meisterschaftsrennen wurde letzten September in China ausgetragen. Weltweit stehen zehn Rennen auf der Agenda. Letztes Wochenende gastierte der Tross in Long Beach (USA). Im Mai geht es nach Monte Carlo, später drehen die Boliden in Berlin ihre Runden. Von 20 Piloten haben 11 Formel-1-Erfahrung. Darunter sind bekannte Namen wie Nick Heidfeld oder der Schweizer Rennfahrer Sébastien Buemi. Ausserdem sind die Söhne von Alain Prost und Nelson Piquet sowie der Neffe von Ayrton Senna am Start -- alles klingende Namen.

Glaubt man den Zahlen der Marktforschungsfirma Formula Money, generiert die Formel E bereits einen Werbewert von 41,3 Millionen Dollar pro Rennen. Bei der Formel 1 sollen es knapp 150 Millionen Dollar sein. Das Startrennen in Peking verfolgten 40 Millionen Zuschauer live am Fernsehen.

Damit die Meisterschaft in der Schweiz stattfinden kann, braucht es Sponsorengelder. Fathi Derer geht von rund 10 Millionen Franken pro Rennen aus. Noch ist unklar, woher das Geld kommen soll. Die wichtigsten Sponsoren der Formel E sind bereits Schweizer Firmen. Die Uhrenmarke TAG Heuer ist als offizieller Zeitmesser engagiert. Die Privatbank Julius Bär trägt den Titel «Official Global Partner». Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte des Luxuskonzerns LVMH, zu der auch TAG Heuer gehört, hat seine Hilfe zugesichert, «weitere Sponsoren an zuBord holen». Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt er: «Als Partner der Formel E haben wir gedacht, dass es sowohl für die Schweiz als auch für uns von grossem Interesse wäre, einen Grand Prix in unserem Land durchzuführen.» Der Automobilclub ACS, selbst Mitglied bei der FIA, unterstützt das Projekt ebenfalls. Generaldirektor Stefan Holenstein glaubt, dass das Projekt dem Automobilsport in der Schweiz «neuen Schub» verleihen werde.

Angesichts der bedeutenden Sponsoren bleibt den Formel-E-Organisatoren gar keine andere Wahl, als ein Rennen in der Schweiz zu unterstützen. Chefpromoter Alejandro Agag machte Aussagen, dass er das Ziel habe, in der Saison 2016/17 zu starten. Es gehe jetzt noch um die Wahl des richtigen Standortes.

Ein Sprecher der Formel E sagte diese Woche auf Anfrage, dass die Schweiz «definitiv eines der Länder» sei, wo in Zukunft Rennen durchgeführt werden könnten. «Doch entschieden ist noch nichts.» Die Rennserie wird derzeit mit Anfragen bestürmt. Agag sagte diese Woche, dass über 180 Städte interessiert seien und bereit wären, viel Geld aufzuwerfen. «Wir wollen an neue Orte, wie Hongkong, vielleicht Paris, vielleicht Mexiko.» Von der Schweiz sprach er nicht.

Auch andere Schweizer Städte können sich bewerben. Sponsor Julius Bär hat eine Vorliebe für Zürich. Wie der «Tages-Anzeiger» schrieb, habe es Gespräche zwischen der Bank und der Stadtpräsidentin Corine Mauch gegeben. Doch ob die Stadtbehörden grünes Licht geben, ist fraglich. Die Bevölkerung der grössten Schweizer Stadt klagt bereits heute über zu viele Grossanlässe.

Viele Politiker treten deshalb auf die Bremse. So meinte SP-Frau Jacqueline Fehr, dass man ein solches Rennen doch besser in der «Agglo» austragen sollte. Der welsche Fathi Derder ist deshalb überzeugt, das Lausanne am Schluss das Rennen machen wird. Eine offizielle Bewerbung will er bis Ende Jahr einreichen.

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