Dider Cuche bestritt gestern ein Promi-Skirennen und duellierte sich mit Österreichs Stratosphärenspringer Felix Baumgartner. Der Schweizer fuhr nur mit einem Ski, Baumgartner mit zwei. So scheint es im Moment auch auf den Weltcup-Pisten, als ob die Schweizer Skifahrer mit einem mysteriösen Handicap antreten würden. Zumindest ein weiteres Rekord-Debakel blieb ihnen am Samstag erspart: Der 15. Rang von Patrick Küng als Bestresultat gilt als «normale» Niederlage ohne historische Dimension. 1995 waren die Schweizer in Kitzbühel noch schlechter. Bruno Kernen belegte damals als Bester den 21. Rang.

Dass sich wenigstens einer in den Top 15 klassierte, verdankten sie dem Slowenen Andrej Sporn, der auf Rang vier liegend wegen einer zu hohen Bindung disqualifiziert wurde. Auf dem Podest standen in Kitzbühel lauter neue Leute, aber mit bekannten Namen.

Dominik Paris, schon Sieger in Bormio, Erik Guay (2.), Weltmeister von Garmisch, und Hannes Reichelt (3.), Ex-aequo-Sieger mit Paris in Bormio. «Du bist ein Egoist», hänselte Reichelt den Italiener, «in Bormio hast du noch auf mich gewartet.»

Alle drei schafften es in Kitzbühel zum ersten Mal aufs Podest, Guay und Reichelt im Alter von schon deutlich über dreissig. Dominik Paris ist dagegen erst 23-jährig. So jung hat sich seit Pirmin Zurbriggen im Jahr 1985 in der Hahnenkamm-Abfahrt keiner mehr durchgesetzt. Der Walliser gewann damals die Doppel-Abfahrt, zog sich aber einen Meniskus-Riss zu und wurde trotzdem knapp drei Wochen nach einer Operation Weltmeister – ein gutes Omen für Paris.

Der 106-Kilo-Brocken mit physisch bedingtem tiefen Körperschwerpunkt galt als Schwerenöter und schlampiges Talent. «Aus disziplinarischen Gründen warfen sie mich von der Sportschule», erzählt Paris: «Ich wurde vor die Wahl gestellt, wie ein Athlet zu leben oder aufzuhören.» Was er nicht im Detail erzählt: Seine Eltern hatten sich getrennt, er litt darunter und verlor zeitweise den Faden – mitunter trank er auch mal ein Gläschen zu viel.

Der Aufenthalt auf dem Splügenpass war so etwas wie eine Kur: «Diese Zeit tat mir enorm gut. Gut 12 Kilogramm leichter kehrte ich nach Italien zurück und bestand den geforderten Konditionstest.» Der Durchbruch glückte ihm bei einem Europacup-Super-G im Sarntal, wo er mit der Startnummer 94 Fünfter wurde. Ein Jahr später, 2009, holte er zwei Silber- und eine Bronzemedaille an den Junioren-WM in Garmisch, im Super-G hinter Marcel Hirscher, in der Kombination hinter dem Berner Sepp Gerber, der inzwischen seine Karriere beendet hat.

Im Weltcup zog er erstmals die Aufmerksamkeit auf sich, als er 2011 in Chamonix hinter einem entfesselten Didier Cuche Zweiter wurde. «Damals», so Paris, «habe ich noch ehrfürchtig zu Didier aufgeschaut. Inzwischen habe ich von ihm viel gelernt, vor allem bezüglich Risikoeinschätzung.» Seit gestern befindet er sich auf Augenhöhe mit dem Schweizer.

Davon sind Cuches Ex-Teamkollegen zurzeit weiter entfernt denn je, auch wenn mit Küng (15.), Carlo Janka (21.), Didier Défago (24.) und Tobias Grünenfelder (29.) immerhin vier Mann in die Punkteränge fuhren. Das wäre früher höchstens eine Randnotiz wert gewesen. Küngs Resultat (achtbeste Zeit im Steilhang) war okay, Carlo Janka (6. im Steilhang und 5. im Oberhausberg vor den obligaten Problemen in der Traverse) mit der Startnummer 30 ebenfalls akzeptabel, zumal er sich in Kitzbühel noch nie in den Top Ten klassierte. Der auf die Startnummer 46 strafversetzte Top-Favorit Christof Innerhofer war nur einen Rang besser. Und Marc Gisin, zweimal trainingsbester Schweizer, beklagte unglaubliches Pech, als er nach 17 Sekunden einen Ski verlor. «Es war», so Gisin, «einfach nur Pech. Ich kann mir wenigstens nicht vorwerfen, nicht angegriffen zu haben.»

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