Ein Blick auf die grünbraunen Hänge rund um Davos vermittelt derzeit eher Frühlingsgefühle denn Winterstimmung. Vielleicht ist die aktuelle Wetterlage aber auch einfach bezeichnend für die Situation rund um den Spengler-Cup und den HC Davos – sie gleicht einem Frühlingserwachen.

In diesem Jahr organisiert der Schweizer Rekordmeister «sein» Turnier erstmals seit über 20 Jahren wieder in eigener Regie. Der Vertrag mit dem Vermarkter IMG, der dem HCD jährlich zwei Millionen Franken garantierte Einnahmen gebracht hatte, wurde nicht verlängert. Der wirtschaftliche Druck, der auf die Davoser nach der «Einigung» mit den anderen NLA-Klubs erheblich zunahm – der HCD muss den zehn NLA-Teams, die nicht am Spengler-Cup teilnehmen, total 800 000 Franken pro Saison abliefern, damit der Meisterschaftsbetrieb über die Festtage ruht –, zwang den Klub dazu, neue Einnahmen zu generieren. Die letzte Saison hatte man mit einem Defizit von 2,5 Millionen Franken abgeschlossen. Jetzt soll also der Alleingang in Sachen Spengler-Cup dazu beitragen, dass sich die finanzielle Krisensituation mittelfristig entschärft.

HCD-Präsident Gaudenz Domenig steht am Eröffnungstag des 89. Spengler-Cups vor dem Ice-Dome, dem riesigen VIP-Zelt, wo sich Prominenz, Gäste und Sponsoren vor, zwischen und nach den Spielen verlustieren können. Der «Eisdom», eine Location, die von der IMG erfunden und weiterentwickelt wurde, ist so etwas wie das wirtschaftliche Epizentrum des Turniers. Dass sich der HCD auch unter Eigenregie auf die alte Infrastruktur abstützt, ist nicht erstaunlich. Für Domenig war klar, dass man das Rad nicht neu erfinden kann und will: «Wir wollten erst einmal Bewährtes beibehalten. Wir gingen auf alle bestehenden Sponsoren zu und sagten, es wäre schön, wenn sie zu unveränderten Bedingungen weitermachen würden.» Die Hoffnungen erfüllten sich. «Bei der Werbung sind wir voll ausverkauft – und das bei weniger Preiskonzessionen», erzählt Domenig nicht ohne Stolz. Denn ganz frei von Nervosität ging der Übergang in die Eigenregie nicht vonstatten.

Schon bevor gestern der erste Puckeinwurf in der Vaillant-Arena erfolgte, stand aber fest, dass die Rechnung für den HC Davos aufgehen wird. Gaudenz Domenig rechnet mit einer Netto-Ertragssteigerung von ungefähr 20 Prozent, was geschätzten 400 000 Franken entsprechen dürfte: «Es ist schon jetzt klar, dass wir wesentlich mehr verdienen», sagt Domenig. Zwar hätte auch die IMG einen grösseren Anteil am Gewinnkuchen offeriert – im Vergleich zu den Möglichkeiten in Eigenregie aber immer noch deutlich weniger.

Für den Davoser Präsidenten ist das finanzielle Potenzial des Turniers lange nicht ausgeschöpft. «Es hat noch Luft nach oben. Unser Ziel in den nächsten Jahren ist es, den Netto-Ertrag um eine halbe Million zu steigern.» Damit würde auch das Loch, das die «Entschädigungszahlungen» in die Kasse reissen, wieder gestopft. Domenig hat seinen Blick vor allem in Richtung Übersee gerichtet. «Wir haben die Idee, dass wir in Kanada zusätzlich Werbung verkaufen können. Der Spengler-Cup geniesst dort einen hervorragenden Ruf und wird in guter Qualität im Fernsehen übertragen. Vielleicht lässt sich etwas mit elektronischen Banden machen.» Auch deshalb hat die Verlängerung des Vertrags mit dem Team Canada, der nächstes Jahr ausläuft, höchste Priorität. Das Engagement der Kanadier am Spengler-Cup soll langfristig geregelt werden.

Eine weitere wichtige Verhandlung steht für das Traditionsturnier im kommenden Jahr an: Dann wird der Ende Saison 16/17 auslaufende TV-Vertrag zwischen dem Schweizerischen Eishockeyverband und dem Schweizer Fernsehen neu verhandelt. Dass der Spengler-Cup weiterhin in der bewährten Form übertragen wird, ist für Gaudenz Domenig essenziell. Auch darum ist für den Davoser Präsidenten eine Kündigung des von ihm selbst ausgehandelten «Knebelvertrags» zur Wahrung der Meisterschaftspause keine Option. «Für den Spengler-Cup ist diese Exklusivität eine tolle Sache», sagt Domenig und gibt zu bedenken: «Die Live-Übertragungen wären gefährdet. Ich halte das Risiko für gross, dass es für uns schiefgehen würde.»

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