René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, sprach kurz nach der Pleite im Doppel Klartext: «Den Spielern geht es gar nicht gut.» Nie im Leben habe er mit einem solchen Szenario gerechnet. Damit, dass die Schweiz die Partie bereits nach dem Doppel verloren hat. «Ich hatte ein 3:0 tatsächlich nicht ganz ausgeschlossen, aber für uns», gab Stammbach zu. Nur drei Matches hat es gebraucht, und die Mission «Gewinn des Davis-Cups» ist in diesem Jahr bereits gescheitert.

Offiziell hatte natürlich nie jemand davon gesprochen, doch intern hatte bei Swiss Tennis schon das Motto geherrscht: «Jetzt gehts los, jetzt greifen wir an.»

Roger Federer hatte sich klar zum Davis-Cup bekannt und nach dem Klassenerhalt in der Weltgruppe im September in Australien auch für die erste Runde zugesagt. Erstmals seit acht Jahren war er wieder mit dabei. Natürlich waren die USA ein harter Brocken, das hatten auch immer wieder alle betont. Doch mit dem Heimvorteil hätten Federer und Stanislas Wawrinka diesen Stolperstein aus dem Weg räumen sollen.

«Wir haben nie drüber gesprochen, was denn im September in der Auf-/Abstiegsrunde sein könnte», gab Stammbach offen zu. Doch die zweite Runde im April und dann ein möglicher Halbfinal seien schon ein Thema gewesen. Erik Keller, Vizepräsident von Swiss Tennis und Chef des Organisationskomitees Davis-Cup, hatte bereits beim Hallenstadion in Zürich vorgefühlt, ob dort im September ein Halbfinal möglich sei. Denn einen Final im Dezember hätte er am liebsten in den Palexpo-Hallen in Genf organisiert.

«So ist halt Sport», sagte Stammbach lakonisch. «Mit tut es für die Spieler leid, die ihr Potenzial nicht abrufen konnten, als es drauf ankam», sagte er. Grundsätzlich müsse mit einem Team von dieser Klasse mehr möglich sein, als eine erste Runde im Davis-Cup. «Ich denke, wir können mit den grossen Nationen mithalten», bestätigte auch Federer. Aber es fehle die Breite, einzelne Spieler gleichwertig zu ersetzen. «Sie waren diesmal einfach einen Hauch besser», betonte Federer. Über das ganze Wochenende hätten sie den Erfolg verdient. «Wir sind nicht allzu enttäuscht, wir respektieren ihre gute Vorstellung», sagte Federer. «Alles ist ein bisschen blöd gelaufen.» Recht bekam er von US-Captain Jim Courier, der sagte: «Das klare Ergebnis täuscht, ein paar Punkte haben entschieden, alle zu unseren Gunsten.»

Nach den Einzeln hatte Federer noch Wawrinka kritisiert, dass der die Chance gegen Mardy Fish im ersten Einzel nicht genutzt habe. Gestern relativierte er: «Es ist schade, dass Stan nicht seinen besten Tag erwischt hatte und mit einem Sieg Druck auf die Amerikaner ausübte.» Auch hier bekam er Unterstützung von Courier: «Es ist im Davis-Cup ein grosser Vorteil, wenn du einmal in Führung liegst.»

Offiziell steckten das Team und dessen Sprecher Federer die Niederlage erstaunlich gelassen weg. «Es war ein lässiges Wochenende, nur das Resultat stimmt nicht», sagte Federer zur Überraschung. Natürlich gelte es, die Niederlage zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Beispielsweise über die Wahl des Belages. Für Sand hatten sich die Spieler entschieden, nur war der viel schneller als erwartet. «Der Boden war sicher nicht optimal, aber wir haben nun mal nicht die Möglichkeit, im Freien auf Meereshöhe zu spielen», erklärte Federer. Und ansonsten habe ihm Fribourg sehr gut gefallen, auch dank den tollen Fans.

«Ich sehe keine Krise und kein Problem», betonte Federer. Die Niederlage schmerze nicht so sehr, wie die vor elf Jahren gegen Frankreich, als die Schweiz trotz Matchball von Georges Bastl im fünften Satz des fünften Matches gegen Frankreich unterlag. Das Team harmoniere, deshalb wolle er auch in Zukunft dabei sein.

Das Aus im Davis-Cup mache seine Planung ein wenig einfacher, weil er nun wisse, was in den nächsten Monaten auf ihn zukomme. Er entscheide im Davis-Cup von Match zu Match, doch grundsätzlich sei er im September im Abstiegskampf wieder mit von der Partie und er glaube, es werde ein gutes Jahr für ihn. «Ich sehe meine Niederlagen nicht als Rückschritt, ich bin gut drauf und ich habe keine Probleme mehr mit meinem Rücken.» Der Titeltraum ist trotzdem schon zu Ende.

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